D 2009, 107 min
Verleih: Piffl

Genre: Dokumentation

Regie: Martin Hoffmann

Kinostart: 25.02.10

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Dolpo Tulku

Beeindruckender Dokumentarfilm jenseits des Tibet-Hypes

Der 26jährige Mönch Sherap Sangpo bereitet sich seit seinem zehnten Lebensjahr darauf vor, als Reinkarnation eines hochstehenden Lamas in seine Heimat, eine der entlegensten Gegenden der Welt im Nordwesten Nepals zurückzukehren. Die Region Dolpo ist ein Ort atemberaubender Schönheit und ebenso atemberaubender Armut. Eine Welt für sich – ohne Strom, Telekommunikation, ärztliche Versorgung, ja sogar ohne Straßen. Das Leben der Menschen ist sehr hart, und auf Sherap Sangpo, der hier als Dolpo Tulku verehrt wird, lasten große Erwartungen. Er, der fast sein ganzes bisheriges Leben im weltoffenen Kloster Kanying Gompa in Kathmandu verbracht hat und dort ganz selbstverständlich mit Internet und Handy lebte und mit vielen westlichen Besuchern regen Austausch hatte, wird in die rückständige Welt seiner Kindheit zurückkatapultiert. Doch wo er auch hinkommt, wird er von den tiefgläubigen Menschen mit offenen Armen empfangen.

Die Dokumentation von Martin Hoffmann begleitet den Mönch auf seiner ersten Rundreise durch sein Land, und der Zuschauer wird Zeuge der großen Liebe und Verehrung, die die Menschen dem jungen Mann entgegenbringen. Beeindruckend ist vor allem die Tatsache, daßdie Menschen keinen Zweifel zu kennen scheinen. Sie glauben einfach. Das gibt ihnen Kraft und verleiht dem jungen Geistlichen eine ungeheuerliche spirituelle Autorität. Er selbst allerdings ist keineswegs frei von (Selbst-)Zweifeln, die er sehr offen und in klaren Worten mit dem Filmteam teilt. Der Film konzentriert sich ganz auf seinen Protagonisten und paßt sich in der Blickfrequenz und im Tempo an seine Umgebung an. Das mag auf westliche Kinogänger befremdlich wirken, vor allem nach dem klassischen Trailerstakkato.

Man muß sich einlassen auf diesen Film. Auf der anderen Seite hat sich auch Dolpo Tulku auf die Kamera eingelassen. Doch seine Entscheidung, das Filmteam für mehrere Monate in sein Leben zu lassen, war ohne Zweifel auch ein taktischer Schritt. Kaum eins seiner Projekte wie ein Krankenhaus oder eine buddhistische Schule sind ohne Förderung von außen denkbar. Der junge Dolpo Tulku weiß das. Dieser Film ist ein Tauschgeschäft, von dem hoffentlich beide Seiten profitieren. Uns können diese Bilder die Augen öffnen, helfen, die eigenen Probleme zu relativieren. Für das Dolpo ist dieser Film die Verbindung zum Rest der Welt – mit allen Chancen und Risiken.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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