Originaltitel: DON’T BLINK – ROBERT FRANK

USA/F/Kanada 2015, 82 min
Verleih: Grandfilm

Genre: Dokumentation, Biographie

Regie: Laura Israel

Kinostart: 13.04.17

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Don’t Blink – Robert Frank

Ein Leben in abertausenden Bildern

Ausgerechnet ein Schweizer schuf eine Ikonographie Amerikas, die einen herausragenden Platz in der Fotografie des 20. Jahrhunderts einnimmt. Die Rede ist von Robert Franks Fotoband „The Americans“ (1959). Es sind eindringliche Momentaufnahmen, melancholisch, jedoch ohne eine Spur von Sentimentalität. Meist zeigen sie Menschen, die eher am Rand der Gesellschaft stehen als in der Mitte. Franks große Fähigkeit ist es, eine Situation intuitiv zu erfassen und in genau der richtigen Sekunde auf den Auslöser zu drücken. Er selbst sagt dazu: „Mir half mein Talent, von anderen nicht wahrgenommen zu werden.“ Ihn interessiert die Wahrhaftigkeit des Ausdrucks, dann, wenn die Menschen bei sich sind, ohne zu merken, daß sie fotografiert werden. Skrupel hatte er nie. In Franks langem Leben, 1924 in Zürich geboren, war immer alles dem Imperativ der Kunst untergeordnet.

Es sollte dauern, bis Franks Bilder breite Anerkennung fanden. Zunächst stieß „The Americans“ auf große Ablehnung. So wollte das Land nicht gesehen werden. Doch Robert Frank hielt sich damit nicht auf. Unter dem Einfluß von Künstlern der Beat-Generation wie Ginsberg und Kerouac wandte er sich dem Film zu und schuf neben weiteren Fotoprojekten über 30 experimentelle Kurzfilme. Kommerzielle Erfolge wurden die Filme im Gegensatz zu seinen Fotos nicht. Vielleicht hätte Franks Dokumentation über die Rolling Stones das Zeug dazu gehabt, doch sie wurde aufgrund ihrer ungeschönten Offenheit von der Band nicht frei gegeben. 

DON’T BLINK – ROBERT FRANK von Laura Israel ist das rastlose Porträt eines Rastlosen. Im Stakkato-Rhythmus werden Fotos und Filmausschnitte aneinandergehängt. An einzelnen Lebensstationen wird jeweils nur kurz verweilt, dann weiter und weiter, Bild an Bild … Dazwischen Interviewsequenzen mit Frank und Wegbegleitern. Dieses Vorgehen deckt sich mit der Arbeitsweise des Künstlers, zu der eine unstillbare Neugier auf das Leben gehört, das ihm beruflichen Erfolg genau wie private Tragödien beschert hat. Passend zum Werk ist der Film überwiegend in Schwarz-Weiß gehalten und mit Songs von Bob Dylan und Tom Waits unterlegt.

Im hohen Alter erweist sich der Künstler als hellwacher Gesprächspartner mit einem spitzbübischen bis galligen Humor. Er hat noch immer den Habitus eines Underdogs. Eine kleine Kompaktkamera hat er nach wie vor stets dabei. Die Flüchtigkeit des Lebens muß auf Zelluloid gebannt werden.

[ Dörthe Gromes ]

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