Originaltitel: AZULOSCUROCASINEGRO

Spanien 2006, 105 min
Verleih: Arsenal

Genre: Drama

Darsteller: Quim Gutiérrez, Marta Etura, Antonio de la Torre, Hector Colomé, Raúl Arévalo

Stab:
Regie: Daniel Sánchez Arévalo
Drehbuch: Daniel Sánchez Arévalo

Kinostart: 21.06.07

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Dunkelblaufastschwarz

Über Grenzen im Menschen und kleine Ausbrüche

Ein Film, der mit einer brennenden Mülltonne beginnt, ist im Regelfall dem Subgenre "Ghettodrama" zuzuordnen. Und obwohl sich das Spielfilmdebüt des spanischen Regisseurs Daniel Sánchez Arévalo in vielerlei Hinsicht dieser Kategorie entzieht, gibt es doch einige Parallelen zu der erwähnten Filmart. In den Konflikten der gut gezeichneten Charaktere, die gegen verschiedene Formen der Gefangenschaft ankämpfen, finden sich genügend Elemente, die auch in einem im Ghetto angesiedelten Sozialdrama stets zugegen sind. Nicht umsonst verweist Arévalo in mehreren Szenen auf Spike Lees packendes Frühwerk DO THE RIGHT THING.

Jorge ist Ende zwanzig und sitzt fest. Obwohl er ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium hat, macht Jorge weiter seinen Hausmeisterjob im eigenen Wohnblock, weil er sich permanent um seinen pflegebedürftigen Vater kümmern muß. Jorges Bruder Antonio sitzt im Knast und ist zudem auch noch verliebt - in die Insassin Paula. Deren unstillbarer Kinderwunsch führt dazu, daß der unfruchtbare Antonio seinen Bruder um einen außergewöhnlichen Gefallen bittet: Jorge soll Paula schwängern. Nach anfänglichen Bedenken willigt Jorge ein. Auch deshalb, weil er bei Paula das findet, was er bei seiner Freundin Natalia - einer Pharmazie-Studentin aus besseren Verhältnissen - vermißt: Paula braucht ihn. Die entstehende intensive Beziehung zwischen Paula und Jorge führt aber nicht nur zum vorhersehbaren Bruderzwist, sondern leitet auch eine sensibel geschilderte Emanzipation Jorges ein.

Die gar nicht so leicht verdaulichen Themen und Konflikte werden von einem wie der Deckel auf denTopf passenden Erzählstil aufgefangen, mit dessen feinem Witz und mitreißendem Tempo verhindert wird, daß Arévalos Drama zu schwer im Magen liegt. Solche Leichtigkeit angesichts des Tragik-Potenzials der Geschichte zu erreichen, ohne in die Oberflächlichkeit abzudriften, will gekonnt sein.

So wie Jorge erlebt, daß es manchmal auch ein kleiner Schritt tut, um aus dem eigenen "Ghetto" auszubrechen, so erlebt man als Zuschauer dieses stimmig inszenierten Werkes, daß das Wandern über die Grenze zwischen Tragik und Komik mit wohlbalanciertem Gang oft herrlich funktionieren kann.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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