Originaltitel: EAST IS EAST

GB 1999, 96 min
Verleih: Senator

Genre: Komödie

Darsteller: Linda Bassett, Om Puri, Jordan Routledge

Regie: Damien O’Donnel

Kinostart: 18.05.00

2 Bewertungen

East Is East

Frisches Kino von der Insel

"Die Pakis kommen!" brüllt der kleine Sajid angsterfüllt und kündigt damit die zukünftigen Ehefrauen seiner älteren Brüder an. Tariq und Abdul sehen ihre lieblichen Bräute zum ersten Mal und sind entsetzt. Die Damen wurden von ihrem Vater ausgesucht - offenbar ohne jede Rücksicht auf gängige Schönheitsideale. Wir befinden uns nicht im tiefsten Asien, sondern in der nordenglischen Stadt Salford, 1971. George Khan, despotisches Familienoberhaupt und Imbißbesitzer, kam vor vielen Jahren hierher und heiratete Ella. Seine erste Frau lebt noch in Pakistan und schwebt als ewige, nur halb ernst gemeinte Bedrohung über der multikulturellen Ehe: Immer wenn Ella nicht so will wie er, kündigt er an, die pakistanische Gattin nach Salford zu holen. Auch die sieben Kinder geben dem gläubigen Moslem nicht nur Anlaß zur Freude, denn sie unterlaufen seine strenge Erziehung mit einer Penetranz, die Vater Khan zu regelmäßigen Wutausbrüchen treibt. Nazir, der Älteste, hat erst kürzlich die Familie verlassen, da auch er verheiratet werden sollte. Fortan ist er für George Khan gestorben. Bei Sajid, dem Jüngsten, ist zum Entsetzen und zur Schande der moslemischen Gemeinde festgestellt worden, daß er noch nicht beschnitten ist. Zudem hat er sich mit seinem kuscheligen Parka so angefreundet, daß er ihn nicht mehr ablegen will. Der Gestank wird zunehmend unerträglich und die Familie hält Abstand. Tariq ist auf dem besten Wege, der größte Aufreißer der Stadt zu werden. Unter dem Namen Tony ist er der King der Tanzböden. Ein Ärgernis nach dem anderen. Sie sind eben Kinder des Westens. Und so führt George Khan einen zermürbenden Kampf gegen rebellischen Ungehorsam und abendländische Manieren.

Eine Sternstunde für richtig gutes Kino muß geschlagen haben, als Newcomer Damien O’Donnel sich entschloß, diese wunderbare Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Auf den Spuren des großen britischen Gegenwartskinos inszeniert er mit leichter Hand eine zum Brüllen komische Großfamiliengeschichte. Dabei verzichtet er auf weitverbreitete Klischees, die aus Immigranten immer kulturell zerrissene Wanderer zwischen den Welten machen und konzentriert sich auf einen heftig geführten, genial pointierten Generationenkrach. Wunderbar, wie es O’Donnel gelingt, bei aller Komik auch emotionale Tiefen auszuloten. Sein feines Gespür für die tragische Dimension zeigt sich vor allem in der Figur der Mutter Ella. Sie sitzt zwischen allen Stühlen. Mit derben Sprüchen, liebevollem Humor oder schierer Verzweiflung versucht sie, die chaotische Familie zusammenzuhalten. Mit resignierter Geduld erträgt sie die Pascha-Allüren ihres geliebten Mannes. Doch wenn es um ihre Kinder geht, haut sie gewaltig auf den Tisch, auch wenn es weh tut.

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen: