D/CH 2006, 103 min
Verleih: Pandora

Genre: Tragikomödie, Liebe

Darsteller: Josef Ostendorf, Charlotte Roche, Devid Striesow

Stab:
Regie: Michael Hofmann
Drehbuch: Michael Hofmann

Kinostart: 11.01.07

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Eden (2007)

Liebe geht durch den Magen

Ein Kurkaff irgendwo im Schwarzwald, im vermuteten Hinterwäldlerland. Und tatsächlich, Bewegung ist hier vor allem in Seniorengruppen, unter Anleitung eines Animateurs. Nach dem therapeutischen Schwimmen gibt es Kaffeekränzchen mit therapeutischem Tanz im Kurpark und dazu wird therapeutischer Kuchen gereicht. In dieser Umgebung fällt es schwer, bei Sinnen zu bleiben, und doch ist der Ort auch das Versteck des beleibten Gourmetkochs Gregor, der hier ein exklusives Restaurant betreibt. Hier zelebriert er seine Kunst einer "cucina erotica" und kredenzt die erlesenen Resultate weitgereisten Feinschmeckern.

Die andere Leidenschaft des kochenden Exzentrikers ist das heimliche Beobachten von Frauen. Vor allem von Kellnerinnen. Doch so versteckt er auch dieses betreibt, er wird bemerkt, und so lernt er Eden kennen, eine junge verheiratete Frau, die seinen Kochkünsten wahrlich verfällt. Bald verbindet das ungleiche Paar eine platonische Freundschaft, und heimliche kulinarische Genießertreffen werden zu wöchentlichen Höhepunkten außerhalb eines allzu gewöhnlichen Alltags. Doch in der kleinen Gemeinde gibt es keine Geheimnisse und noch weniger Verständnis. Als Xaver, Edens Mann, schließlich dem Gespött seiner Freunde ausgesetzt ist, entschließt er sich, zu handeln ...

Was die Alten noch wußten, vergessen die Jungen gern, und wenn man sich umschaut in der heutigen Kultur des Essens - oder besser bei den gemeinhin gebräuchlichen Techniken der Nahrungsaufnahme - dann erscheint es mehr als notwendig, das Zusammenspiel von kulinarischen Genüssen und der Liebe von Neuem zu erinnern. Michael Hoffmann, der diese sensible Romanze mit bittersüßem Humor verfeinert hat, läßt sich auf das große Thema des Zusammenspiels unserer Sinne ein. So wird in seinem Protagonisten, ein großartiger Josef Ostendorf mimt den eher asexuellen Erotomanen, eine neue Lust geweckt. Er, der in der Komposition seiner Speisen die gleiche Perfektion erlangt, wie die Opernmusik, die er während der Arbeit hört, wird durch die Liebe aus seinem seelisch fragilen Gleichgewicht gebracht. Und sie, Eden, eine überraschende Charlotte Roche in ihrem Spielfilmdebüt, erfreut sich urplötzlich eines scheinbar neu erblühten Eheglücks.

Den Appetit auf Kino sollte EDEN in jedem Fall befriedigen, im Besten ist man jedoch beglückt und weiß am Ende noch ein wenig mehr, als daß "Liebe durch den Magen geht."

[ Jane Wegewitz

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