D 2016, 100 min
FSK 12
Verleih: Salzgeber

Genre: Komödie, Schwul-Lesbisch, Trash

Darsteller: Ades Zabel, Biggy van Blond, Bob Schneider

Regie: Ades Zabel, Biggy van Blond, Nicolai Tegeler

Kinostart: 16.02.17

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Ediths Glocken

Laß’ bimmeln, Baby!

Jetzt, wo Weihnachten 2016 Land gewonnen hat, kann man ja rückblickend über alle angefallenen Desaster lachen, hervorragend beispielsweise während in vielpersoniger Gruppe vorgenommener Sichtung hiesiger Feiertagsbombe. Jene zündet am 22.12. in Brigittes kundenseitig ignorierter (ein schwules Paar, unabhängig voneinander den verstaubten Leo-Schlübber wählend) Boutique. Treffpunkt auch für Hartz-VIII-Empfängerin Edith sowie die leider geile, unbemannte Jutta – ein Fünftel toter Bär, ein Drittel Insolvenzschnäppchenjägerin, Rest Deko-Obsession.

Es reift der Plan, Heiligabend gemeinsam zu feiern, die Verpflegung steht – Gans 60 Minuten bei 1000 Watt mikrowellengaren, dazu 1,99-Euro-Fusel kippen. Aber noch schwelen Probleme ungelöst: Ätzt das Lidl-Parfum wieder alles weg, wie damals? Ist das Hausverbot im Konsumtempel abzuwenden? Wer soll den unkenntlichen Schlangenfraß dann runterwürgen? Gelingt letztlich das Verhindern einer Komplettkatastrophe?

Mimische Vorbilder scheinen da fix ausgemacht: Kolleginnen wie Christine Neubauer oder Veronica Ferres exerzieren’s seit gefühlten Ewigkeiten vor, die drei Neuköllner Fummel-Walküren machen es bravourös nach, das hinter allerlei Maskerade verborgene Unvermögen respektive selbstvergessene schauspielerische Scheitern. Nur, um einen Unterschied zu nennen, kommt man angesichts unseres – pardon, die schrill aufjaulenden eigenernannten Ladies – herrlich trampeligen Trios aus dem Amüsement kaum raus und schlägt nicht reflexartig die Hände vors vermutlich aus Weglaufversuchsgründen tränende Auge.

Zumal der hohe Trashappeal keineswegs an wohltemperiert aufgetischten Qualitäten nagt. Mehr jener bunten Vollweiber würden das oft farbenleere deutsche Kino aufhübschen, solche auf Stromlinien-Moral-Stilberatung pfeifenden Paradiesvögel mit Kodderschnauzen, die saukomische Dauerfeuer-Wortattacken raushauen, feuchtfröhlichen Zoten-Jongleurinnen (ganz egal, daß einiges auch unbeschmunzelt zu Boden plumpst und sich festtritt), furchtlosen Zuspitzerinnen alltäglichen Irrsinns.

Und: Sich von einer Szene zur nächsten magisch umfrisierende Perücken, bloß zur Straße nebenan führende Außendrehs oder beim Betrachter temporäre Schockstarre bedingende Sexszenen gibt’s schließlich genauso im ernst gemeinten (Fernseh-)Film. Der ohne Ediths Glockengeläut. Schlimmstenfalls das spaßbefreite Neubauer/Ferres-Vehikel.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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