D 2003, 88 min
Verleih: Odeon

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Julia Hummer, Janek Rieke

Regie: Robert Schwentke

Kinostart: 26.02.04

Noch keine Bewertung

Eierdiebe

Die Jagd nach dem verlorenen Ei

"Da war doch schon vor mir einer dran!" meint der Doktor, als er Martin rektal untersucht und liegt nicht mal falsch. Der Jemand war sogar prominent. Kein Geringerer als Leander Haußmann mimt den schrägen Sanitäter, der Martin empfiehlt, wegen seiner Hodenschmerzen einen Spezialisten aufzusuchen.

Warum bei Haußmanns "Analyse" Ketchup und Mayo im Spiel sind, ist vorerst weniger wichtig. Ab ins Krankenhaus und Diagnose in Empfang genommen: Hodenkrebs. Mit einem Hoden weniger und zwei Entscheidungsmöglichkeiten verläßt Martin nun das Hospital. Entweder er wählt die Totaloperation und seinem Überfliegerlebenslauf mit Studium in Amerika steht nichts mehr im Weg. Oder er nimmt die Chemotherapie auf sich, doch da sträubt sich Frau Mama. Er solle nicht so egoistisch sein. "Denk doch an dein Studium!" Martin bleibt stur, teilt sich mit dem zynischen Nickel und dem schweigsamen Harry das Krankenzimmer. Bald fallen die Haare aus, die Familienbesuche werden seltener. Dafür schaut Susanne von der Frauenabteilung vorbei, denn Martins Herz ist durchaus intakt.

Nach seinem dunklen und schwer verführerischen Thriller TATTOO begab sich Robert Schwentke als Autor und Regisseur auf Terrain, daß sich anfangs nicht viel witziger anfühlt. Doch aus Krankenhaus, nahendem Tod und dem Wunsch nach Leben quirlt Schwentke ein fluffiges, bekömmliches Filmbaiser. Witzig, schlau und grundehrlich heimste EIERDIEBE Festivalpreise ein.

Was geschieht mit amputierten Körperteilen, wem gehören sie? Eine winzige Frage im großen Universum, und doch muß man sie klären. Die Suche nach Martins verlorenem Ei führt auf abenteuerlichem Weg in die Pathologie und direkt in die Sympathie des Publikums. Wotan Wilke Möhring ist der Patient von nebenan in einem Krankenhaus voll nymphomaner Krankenschwestern, skurriler Ärzte und zarter Liebesbande.

Michael Ballhaus’ Sohn Florian entlockt den Hospitalfluren märchenhafte Bilder, und ein rockiger Soundtrack vervollständigt das Filmjuwel. "Ich hoffe, ich sehe sie nicht wieder" meint Martin zum Eierdieb Dr. Bofinger. Hoffen wir, daß uns ein Wiedersehen mit Regisseur Schwentke vergönnt ist. Der Typ hat’s echt drauf!

[ Roman Klink ]

Lesezeichen: