D 2014, 102 min
FSK 0
Verleih: Arsenal

Genre: Poesie, Tragikomödie

Darsteller: Katharina Marie Schubert, Adam Bousdoukos, Paul Faßnacht, Eva Löbau

Regie: Oliver Haffner

Kinostart: 09.10.14

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Ein Geschenk der Götter

Wie man in Ulm aus dem Schneider kommt

Natürlich können das die Briten in Hochform noch ein wenig besser. Doch Regisseur

Oliver Haffner verhebt sich gar nicht erst an einer Kopie jener sozialkomödiantischen Insel-Filme, die wohl auf Jahre unvergeßlich sind. Man merkt sie sich ganz. Oder gar nicht. EIN GESCHENK DER GÖTTER ist sehr deutsch, denn er hat wirklich mit diesem Land zu tun, mit den Menschen, die hier leben und, wenn es doof für sie kam, auf Arbeitsämter gehen müssen, die keinen Deut charmanter geworden sind, nur weil sie Jobcenter heißen.

Übrigens kann nur eine erschreckend einstellige Zahl aller in Deutschland lebenden Schauspieler von diesem Beruf leben. Auch „feste“ Bühnen- und Filmdarsteller müssen den von Staats wegen vorgezeichneten Weg beschreiten, wenn ihr Chef meint, sie seien zwar richtig gut, für die nahe Zukunft aber nicht mehr zu halten. Wie Anna, die es am Stadttheater Ulm erwischt. Schneller, als sie denkt, sitzt sie einer Arbeitsvermittlerin gegenüber, die so gar nichts mit ihr anfangen kann. Aber sie hat Anna schon oft gesehen. Zwar in den falschen Rollen, aber das tut nichts zur Sache. Wie wäre es, Anna würde eine Bildungsmaßnahme leiten, Theater spielen mit acht Betroffenen, die Beschäftigung nötig haben? Anna weiß nicht recht. Doch sie weiß sich mit „Antigone“ zu helfen. Und ein Grieche ist auch im Kurs …

Die Truppe macht einen eher traurigen Eindruck. Acht Männer und Frauen gemischten Alters geben sich wechselweise pampig, neunmalklug, zynisch, arrogant, konsequent abwesend oder freundlich. Anna aber braucht Sympathien, erst recht, als sie erste Rückschläge nach einem gar nicht mal so schlechten Beginn in ein Jammertal stürzen. Motto: Ich, die ewige Loserin mit den Loser-Titten!

Doch es geht ja auch ums Mutmachen. Dafür entblättert dieser leise, nie polternde Film nach und nach etwas aus der Biographie der Protagonisten, geht zu ihnen nach Hause, zeigt die Verlassenen und Einsamen, die Frustrierten, Stillen und Alltäglichen, marmoriert das, was neben der Arbeitssuche für sie noch geblieben ist auf manchmal überraschende Weise mit dem, was Laientheater ausmachen kann, wenn es plötzlich eine Funktion bekommt, die weit über Kostüm, Sprechrolle und dem Totschlagen von Zeit hinausreicht.

Oliver Haffner zeigt mit EIN GESCHENK DER GÖTTER auf manchmal kauzige, immer aber respektierende Weise, wie man in Ulm aus dem Schneider kommt.

[ Andreas Körner ]

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