Originaltitel: KING OF THIEVES

GB 2018, 108 min
FSK 12
Verleih: StudioCanal

Genre: Tragikomödie, Thriller

Darsteller: Michael Caine, Michael Gambon, Ray Winstone, Tom Courtenay

Regie: James Marsh

Kinostart: 25.04.19

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Ein letzter Job

Die Gelassenheit des alten Adels

Es war ein echter Coup. Ein Bankraub, spektakulär, dreist, lässig. Sehr britisch, irgendwie. Und erfolgreich auch. Zumindest fürs erste: 2015 war das, als eine Gruppe Ganoven nachts durch einen Aufzugschacht in die Londoner Hatton Garden Safe Deposit Company eindrang. Und das nicht schwer bewaffnet, sondern mit schwerem technischen Gerät, mit dem man sich durch eine 50 Zentimeter dicke Betonwand in den Bunkerraum mit den Sicherheitsschließfächern grub, um daraus Schmuck, Bargeld und Gold im Wert von satten 200 Millionen Pfund mitgehen zu lassen.

„Filmreif“ nennt man so was nicht umsonst gerne mal. Weshalb der in die Kriminalgeschichte eingegangene Hatton-Garden-Raub jetzt auch als Kinogeschichte aufbereitet wurde. Und was damals der eigentliche Clou am großen Coup war, nämlich das ausgesprochen reife Alter derer, die ihn durchzogen, ist jetzt auch der Clou in EIN LETZTER JOB. Denn was Regisseur James Marsh hier vor der Kamera versammelt, ist alter britischer Schauspieladel. Um stellvertretend fürs famose Senioren-Ensemble einfach mal die drei an Lebensjahren reifsten Granden zu nennen: Sir Michael Caine (geb. 1933), Sir Tom Courtney (geb. 1937) und Sir Michael Gambon (geb. 1940) geben sich in diesem Film ein Stelldichein, der allein deshalb schon ein Muß ist. Zumal dieses Potential gut genutzt wird. Wenn auch in aller Ruhe.

Zu viel Ruhe? Nun ja, für den hyperaktiven Zeitgeist wohl schon. Für den entspannten Kinoliebhaber indes ist DER LETZTE JOB durchaus lohnenswert. Allein dank der hübsch eingeflochtenen Schwarzweiß-Szenen aus einschlägigen Filmen früherer Dekaden, in denen die alten Knaben noch einmal als junge Kerle zu sehen sind. Eine wunderbare, wenn auch etwas wehmütige Verbeugung. Nicht, daß sich EIN LETZTER JOB auf seinen Schauspielern ausruhen würde. Verlassen indes kann er sich getrost auf sie. Gerade auch in jenen (selbst-)ironischen Szenen, die zeigen, daß auch Königsdiebe keine Gentleman-Gangster sind. Denn trotz des Alters und seiner Zipperlein lauert da mitunter immer noch bissige Gefährlichkeit. Und jene menschlichen Unzulänglichkeiten zwischen Gier, Dummheit und Mißtrauen, die dann prompt auf den Triumph das Desaster folgen lassen.

Allerdings nimmt das die Bande dann wiederum mit einer derart spitzbübisch lachenden Altersgelassenheit, daß das glatt Vorbildcharakter bekommt. Natürlich abzüglich aller kriminellen Energie.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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