Originaltitel: EN MAND KOMMER HJEM

DK/S 2007, 100 min
Verleih: Europe's Finest

Genre: Drama, Komödie, Liebe

Darsteller: Oliver Møller Knauer, Thomas Bo Larsen, Ronja Mannov Olesen, Gitte Christensen

Regie: Thomas Vinterberg

Kinostart: 07.10.10

Noch keine Bewertung

Ein Mann kommt nach Hause

... und trägt den Wust im Gepäck

Ein volltrunkener Künstler begeht Selbstmord, die Gattin entdeckt darob lesbische Neigungen, Sohn Sebastian beginnt traumatisiert zu stottern und schwört, nie wie sein Herr Papa zu werden – dabei läuft der Film noch nicht mal zwei Minuten. So sieht es aus, wenn Thomas Vinterberg eine Komödie dreht! Dann kehrt Ruhe ein. Na ja, etwas zumindest: Jahre später kündigt der berühmte Tenor Karl Kristian Schmidt seinen Besuch in dem kleinen Ort an, da er dort geboren wurde. Die Gemeinde steht Kopf, und zu allem Überfluß hat sich Sebastian gerade in eine aus der Psychiatrie entlassene Sandkastenbekanntschaft verliebt, was Freundin Claudia natürlich gar nicht gefällt. Doch so richtig ins Rollen geraten die Dinge erst, als Sebastians Mama ihm gesteht, Karl Kristian wäre sein leiblicher Vater.

Klammheimlich verabschiedet sich jetzt fast völlig der Humor, nur Reste in Form eines ständig knapp dem Kollaps entgehenden Küchenchefs oder Sebastians immer wieder aus dem Zimmer geschickter „Zweitmutter“ bleiben übrig. Irgendwie logisch, denn was hier an Themen auf den Zuschauer einprasselt, reicht für drei Filme: Es geht um Verlust und Wiederfinden, Familiengeheimnisse, korrigierte Sprachfehler, eine nur auf dem Papier bestehende Ehe inklusive festgetackerter Gesichtszüge bei gemeinsamen Auftritten. Hinzu kommen der Fluch des Mannes, Schuld und Vorwürfe sowie die weitreichenden Folgen einer Umarmung. Liebe, Sex, Betrug und notwendiges Schweigen sind ebenfalls zu erwähnen, optisch weit weg vom einstigen Dogma-Stil aufgehübscht durch leuchtende Kornfelder oder Farbfilter, bis hin zur surreal schimmernden Aufnahme.

Bei genauerem Hinsehen und -hören wird darüber hinaus deutlich, wie nicht nur ziemlich überdreht und teilweise nahezu wüst die Geschichte erzählt, sondern auch ohne Rücksicht auf Verluste von Symbolik überdeckt ist, weshalb zum Beispiel Karl Kristian im Zuge seiner Gesangseinlage einzig Verdis „Di Provenza il mar, il suol“ schmettert, so seinen Sohn quasi öffentlich um Rückkehr bittet – total egal, daß es sich dabei eben nicht um eine Tenor-Arie handelt.

Gewisse Tendenzen zum Stilisierten und darum Unemotionalen können gleichfalls kaum verleugnet werden. Aber Cineasten verzeihen wohl manches mit einem verträumten Bonus-für-den-Regisseur-Lächeln, denn schließlich, man erinnert sich, hat Thomas Vinterberg dieses Drama gedreht.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen: