Originaltitel: MAN ON A LEDGE

USA 2011, 102 min
FSK 12
Verleih: Concorde

Genre: Thriller

Darsteller: Sam Worthington, Jamie Bell, Elizabeth Banks

Regie: Asger Leth

Kinostart: 26.01.12

1 Bewertung

Ein riskanter Plan

Reizvoller Thriller mit Problemchen

Da steht er, in 70 Meter Höhe auf dem Sims des New Yorker Roosevelt Hotels: Der Ex-Cop Nick Cassidy, der wegen Diamantendiebstahls zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, aus dem Gefängnis ausbrach, untertauchte und jetzt plötzlich seinem verpfuschten Leben ein öffentlichkeitswirksames Ende setzen will. Ein Verzweifelter, ein Unschuldiger vielleicht, ein in die Enge Getriebener, der keinen Ausweg mehr weiß als den spektakulären Abgang, den Sprung in die Tiefe.

Glaubt man zumindest. Denn EIN RISKANTER PLAN ist einer jener Thriller, die ihr Potential daraus schöpfen, daß wirklich nichts so ist, wie man eben glaubt. Der berühmte Schein, der trügt, die Vielfach-Maskeraden und Vielfach-Wendungen bis hin zum Finale, in dem dann alle diese Masken fallen und all diese Wendungen in die gerade Straße des In-letzter-Sekunde-Showdowns münden. So was kann reizvoll sein, birgt aber wenigstens zwei kleine Problemchen. Das erste ist eins für den Kritiker: schwierig, hier was zum Inhalt zu erzählen, ohne zu viel zu verraten. Deshalb nur ganz knapp, und weil der deutsche Verleih so frei war, nicht zuletzt bei der Titelwahl (im Gegensatz zum Original) einfach schon mal darauf hinzuweisen: Ja, Cassidy auf dem Hotelsims ist Teil eines riskanten Planes, in dem dann unter anderem auch noch eine psychisch angeknackste Polizistin, ein Einbrecherpärchen, ein millionenschwerer Immobilienhai und mithin der sensationsgeile Pöbel unten auf der Straße mehr oder weniger geschickt involviert sind. Was als Inhaltsangabe reichen muß. Wie gesagt, mehr verraten könnte den Spaß verderben.

Spaß nun kann man hier durchaus haben. Allerdings, Problemchen Nummer 2, bietet EIN RISKANTER PLAN außer Masken und Wendungen nicht allzu viel mehr. Was nicht selten ist, wenn sich eine Inszenierung ausruht auf dem Fundament eines Drehbuchs. Auf dem mattet auch Regisseur Asger Leth. Nicht, daß so ein Thriller wie dieser hier unbedingt zum Psychothriller werden muß, aber so ganz ohne Psyche geht der Thrill inszenatorisch dann eben an die Platitüden purer Behauptung verloren.

Lesh vermag das abzufedern in den Momenten der reinen Aktion, im Durchbuchstabieren klassischer Suspense-Szenen. Da funktioniert EIN RISKANTER PLAN gut. In der Figuren-Interaktion indes fehlt etwas von den Schwingungen, spürt man nicht wirklich die subtilen Spannungen, die hinter all den Pokerface-Masken ja eigentlich lauern müßten. Laut Drehbuch.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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