D 2004, 110 min
Verleih: Timebandits

Genre: Teenie, Sport, Erwachsenwerden

Darsteller: Karoline Herfurth, Ken Duken, Thierry van Werveke

Regie: Buket Alakus

Kinostart: 26.01.06

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Eine andere Liga

Eine verletzte Seele in Angst vor der Liebe

Hayat hat das Leben. Und Hayat hat den Fußball. Doch urplötzlich zerstört der Brustkrebs ihre innere Sicherheit. Aus dem Krankenhaus entlassen, stürzt sie sich direkt wieder in ihr altes Leben, nur - es geht nicht mehr. Hayat ist verletzt, ihre Seele ist verwundet. Als sich dann auch noch Toni für sie interessiert, kann Hayat nur noch abblocken. Zu unsicher, zu erschüttert ist ihr Selbstbewußtsein im tiefsten Ich. Aber Toni läßt nicht locker, und eigentlich fühlt sich auch Hayat zu ihm hingezogen.

Die Stärke von EINE ANDERE LIGA liegt in der Botschaft des Films, denn die ist von ekstatischer Wahrheit: man muß seinem eigenen Schicksal mit aller Kraft entgegen treten und letztlich an das Gute glauben, um dem Leben einige angenehme Momente abzuringen. Regisseurin Buket Alakus ist sensibel genug, diese wunderbar poetischen Augenblicke des existenten Glücks einzufangen, sie als feinsinnige Oasen in die Erzählung einzubauen. Mit profundem Einfühlungsvermögen nähert sich die Regisseurin ihren Figuren, manchmal vorsichtig und zärtlich, um dann wieder wild und kompromißlos vorzustoßen. Dabei verliert sie aber niemals den Respekt vor dem Sujet oder die Aufrichtigkeit vor ihren Charakteren. Im Gegenteil: sie begegnet Hayat mit uneingeschränkter Zärtlichkeit, gibt ihr den Raum sich zu entfalten, überläßt ihr die Zeit sich zu erholen, fordert sie auf, sich für oder gegen ihre Liebe zu entscheiden.

Diesen Film muß man loben! Der gelungene Kunstgriff der Regisseurin liegt darin, das schwerwiegende Thema gerade nicht wie einen überladenen Problemfilm zu inszenieren. Dadurch distanziert sie sich von dem Großteil der letzten 30 Jahre deutscher Filmgeschichte und wagt den Schritt in die cinematographische Jetztzeit. Und genau das brauchen wir: kein Betroffenheitskino unserer filmischen Väter, sondern frisches, leidenschaftliches, waghalsiges und ungezähmtes Kino. Mit Alakus und Akin haben wir nun so etwas wie die "Neue Hamburger Schule" des zeitgemäßen deutschen Films. Feinfühlige Filmemacher von genuinem Gestus und kraftvollem Sentiment.

[ Michael Bolte ]

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