Originaltitel: DEUX MOI

F/Belgien 2019, 110 min
Verleih: StudioCanal

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: François Civil, Ana Girardot, François Berléand, Camille Cottin

Regie: Cédric Klapisch

Kinostart: 19.12.19

Einsam zweisam

Wand an Wand

Unaufdringlich, fast beiläufig und dabei mit genauem und doch behutsamem Blick hat sich Cédric Klapisch mit seinen Filmen zum Chronisten unserer Gesellschaft empfohlen. Er erspürt Gefühlslagen, enttarnt depperten Zeitgeist in seiner Phrasenhaftigkeit, weiß um die Probleme der Moderne, zu den gravierendsten gehört dabei das Topf- und-Deckel-Dilemma, denn mit Verlaub – noch nie war es so schwierig wie heute, einen zuverlässigen, liebenden und empathischen Partner zu finden. Vielleicht nicht immer gleich fürs Leben, sondern überhaupt. Trotz und gerade wegen der unzähligen digitalen Möglichkeiten, denn genau diese haben unsere „analogen“ Fähigkeiten stumpf gemacht, man lebt für sich, aneinander vorbei, unachtsam, aber gottlob – und darauf weist Klapisch auch in seinem neuesten, hinreißenden Film zeigefingerfrei hin – noch immer sehnsuchtsumschimmert.

Wie diese Zwei um die 30 eben – Rémy und Mélanie, deren Namen zusammen fließend gesprochen doch schon glauben lassen, daß es eigentlich paßt. Sie kriegen sich aber nicht, obwohl sie Nachbarn sind, Wand an Wand leben, ihre Arbeitswege sich kreuzen, U-Bahnfahrten sich decken, Zuviel-Zuwenig-Schlafprobleme, Psychologenvisiten und der Einkauf beim Araber um die Ecke ebenso. EINSAM ZWEISAM läßt den Eindruck einer Verschwörung entstehen, die beiden sind doch perfekt – und trotzdem ...

Klapisch schaut auf eine Welt, deren Bewohner zu oft nach unten sehen, Blicke vermeiden, sich unter Kopfhörern verschanzen, und er gibt dabei geschickt sanfte Tips, wonach sich die beiden doch bitte selbst erlauben sollten, nach Trennung und Panikattacken wieder glücklich zu sein. Einmal den Kopf erheben, hinschauen und einen Blick erwidern würde mehr ändern als dieses ewigen Tindern, dieses Lauern auf Crushs und Matches, man erspart sich Dates, bei denen sofort gevögelt wird, oder man sich eine Stunde am Kaffee festkrallt, und kein einziges Wort fällt.

EINSAM ZWEISAM ist erzählt wie eines der besseren, kitschfreien Milva-Dalida-Chansons, dieses Kommen und Gehen, das Zerfließen von Lebenszeit, die Kunst, etwas zu Ende zu bringen und Neues zu beginnen. Das gelingt Klapisch spielerisch und tiefsinnig zugleich, und würde Lelouch heutig und modern EIN MANN UND EINE FRAU erzählen, dann könnte der Film nur so aussehen. Man möchte Rémy und Mélanie an die Brust drücken, ihnen mehr Vertrauen ans Leben wünschen und ihnen verraten, daß es Hoffnung geben muß, wenn sogar der knarzige Seelenklempner zu einem milden Lächeln findet.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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