Originaltitel: EL ACORDEÓN DEL DIABLO

D/CH 2000, 90 min
Verleih: Ventura

Genre: Dokumentation, Musik

Darsteller: Francisco ’Pacho’ Rada, Alfredo Gutiérrez

Regie: Stefan Schwietert

Kinostart: 05.04.01

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El Acordeón del Diablo

Denkmal für einen, der keins wollte

Den Film wollte er in Kolumbien drehen, weil ihn die Romane von Gabriel Garcia Márquez "zum Träumen brachten". Das ist sehr erfreulich. Doch dann ereilte Herrn Schwietert während seiner mehrjährigen Drehzeit das, was man Künstlerpech (oder miserable Schlagzeile) nennt: Márquez schwer erkrankt - keine Zusammenarbeit. Erzähler Günter Lamprecht angeschossen. Kolumbianischer Zoll vernichtet Filmmaterial. Und das Allerschlimmste : Inzwischen waren etliche andere Regisseure auf dieselbe Idee gekommen, die Karibik nach hochbetagten Musikern abzuklappern. In Europa wurde es schick, Salsa und Merengue zu lernen. Auch wenn das bei deutschen Tanzbären manchmal komisch aussieht.

Leider interessiert den Zuschauer nicht die unerquickliche Entstehungsgeschichte eines Filmes, die vielleicht interessanter ist als das vorliegende Resultat. Darin ist zu erfahren, wie ein Akkordeon gespielt, gestimmt, gekauft und philosophisch betrachtet wird. Bei dem Instrument handelt es sich weniger um jenes sperrige Ding, unter dem Musikschüler fast zusammenbrechen. Was sich die Kariben um den Bauch schnallen, ähnelt einer Zieharmonika, aus der sie die Harmonien des Vallenato ziehen wie den Extrakt eines guten Joints. Beides als Lebenselixier. (Da im Kino leider nur Eis feilgeboten wird, kann sich die Erwärmung für die heißen Rhythmen etwas hinziehen.)

Schön, daß der Film der 93jährigen Musik-legende Francisco ,Pacho’ Rada ein Denkmal setzen wollte, der ein Denkmal für ein Unglück hält, das man Toten widmet. Wie in den Büchern von Márquez suchte der Regisseur Fiktion und Realität zu vereinen und sorgte damit für etwas Verwirrung: Hat Pacho Rada tatsächlich 422 Enkel? Existiert jene Medizinfrau, die gegen Arthritis eine Mischung aus Rum und Marihuana empfiehlt?

Wieder einmal erweist sich ein kompliziertes politisches System als gänzlich exotisch, mit musikalischen Urgesteinen als Souvenir.

[ Angela Rändel ]

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