Originaltitel: TROPA DEL ELITE

Brasilien/Argentinien 2007, 118 min
FSK 18
Verleih: Senator

Genre: Drama, Action

Darsteller: Wagner Moura, Caio Junqueira, André Ramiro

Regie: José Padilha

Kinostart: 06.08.09

1 Bewertung

Elite Squad

Schonungsloses und Diskutables aus dem urbanen Chaos Rios

Rio de Janeiro 1997. Der Papst hat sich angekündigt, und die Spezialeinheit der brasilianischen Militärpolizei – kurz B.O.P.E. – wird beauftragt, für Ruhe in den Favelas zu sorgen. Nascimento, Chef eines dieser sogenannten Elitetrupps, fühlt sich der psychischen Belastung im Kampf gegen die Drogenmafia nicht mehr gewachsen. Panikattacken befallen ihn, kaum soll er auf die Straße, und sein Zustand verschlechtert sich noch, als er erfährt, daß er Vater wird. Weil er aus seinem Kommando, und damit aus einer Spirale von Gewalt, nur entlassen wird, wenn er einen Nachfolger findet, konzentriert sich seine Aufmerksamkeit bald auf die jungen Rekruten Mathias und Neto. In einem Ausbildungscamp, wo der Wille der Anwärter zu brechen und ihnen jeder Skrupel gegen den Einsatz von Gewalt zu nehmen ist, soll sich schließlich entscheiden, wer von den beiden in Nascimentos Fußstapfen treten wird.

Ursprünglich als Dokumentarfilm über die B.O.P.E. geplant und daran gescheitert, daß die Protagonisten nicht vor der Kamera reden wollten, entschied sich Padilha für eine fiktive Fassung seines Stoffes, die nicht nur in Brasilien kontrovers diskutiert wurde. Mit dem Einsatz der Handkamera, den schnellen Schnitten und einem treibenden Soundtrack erzielt der Regisseur einen quasi-dokumentarischen Effekt und hält eine fiebrige Spannung, bedient aber auch die Sehgewohnheiten vor allem junger Zuschauer. Die Darstellung von Gewalt und Folter ist nicht nur drastisch, die häufige Ego-Shooter-Perspektive der Kamera und der Voice-Over-Kommentar der zentralen Figur des Nascimento wirken dem (narrativen) Bemühen um unterschiedliche Positionen (die letztlich Fragen nach Gut und Böse, falsch oder richtig berühren) entgegen.

Padilha scheint überdies seinem eigenen Anspruch, die Grabenkämpfe in einer Gesellschaft umfassend verhandeln zu wollen und sich dabei fern zu halten von ideologischen Standpunkten, nicht gänzlich gewachsen. Wenn beispielsweise ausgerechnet ein korrupter Polizist am harten militärischen Drill scheitert, leistet der Plot, ob unfreiwillig oder nicht, dem Elitegedanken, der zweifelhaften Moral einer Todesschwadron, Vorschub. Dem Film bleibt in jedem Fall ein kritisches Publikum zu wünschen.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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