D 2014, 110 min
FSK 12
Verleih: NFP

Genre: Biographie, Drama, Historie

Darsteller: Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner

Regie: Oliver Hirschbiegel

Kinostart: 09.04.15

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Elser

Scheitern an der Zeit

Das Nazi-Regime, die Opfer, die Täter, seine Kleingeistigkeit und Hybris lassen den deutschen Film nicht los. Unter den Geschichten, die darüber zu erzählen sind, gehören die über den Widerstand Einzelner wohl mit zu den traurigsten. Nicht, weil hier anders gestorben und gelitten würde, sondern weil es von ihnen nicht gar so viele gibt. Der Tischler Georg Elser zählte lange zu den weniger geläufigen Namen – bis ihm Klaus Maria Brandauer 1989 als Regiedebütant und omnipräsenter Hauptdarsteller ein erstes Denkmal in Spielfilmgestalt setzte. Oliver Hirschbiegel stellt nun seine Version der Geschichte vor, die den Blickwinkel auf ihre Hauptfigur zunächst einmal sehr viel weiter wählt.

Elsers Bombe für Hitler, versteckt hinter dem Rednerpult im Münchener Bürgerbräukeller, sollte den Kriegstreiber am 8. November 1939 auslöschen, noch bevor der mit dem Töten so richtig beginnen konnte. Das Attentat scheitert: an einem Zeitloch von 13 Minuten. „Er hätte die Welt verändert“, heißt es im Nebentitel über Elser. Aber mit fast größerer Dringlichkeit fragt Hirschbiegels Film danach, wie die Welt und die Zeit diesen einfachen Handwerksburschen veränderten – vor und nach der Verhaftung. Rückblenden führen in das Heimatdorf in der Schwäbischen Alb, wo er seinen Beruf und das Aufbäumen lernt – gegen den Suff des Vaters, den Mief der Provinz, die ersten nationalsozialistischen Umtriebe. Hier macht er Musik, liebt eine verheiratete Frau, wird politisiert.

Dieser Zeitebene gehören die süßeren, an Natur und Milieu manchmal ein bißchen berauschten Kamerabilder, die nicht immer in der Wolle gefärbte Regionaltönung und der weitschweifigere Erzählduktus. Denn richtig, Hirschbiegel steht eben auch für eine saftigere Filmsprache, die bei Bedarf durchaus auf das Vokabular des Mainstream-Kinos zurückgreift. Schnörkelloser, übergriffiger sind die Szenen aus der späteren Gestapo-Haft inszeniert und fotografiert – ein physisch wie emotional strapaziöser Verhör- und Foltermarathon, in dem sich das Zeitpanorama fast zum Kammerspiel verengt. Natürlich auch zum Duellplatz, auf dem Schauspieler wie Burghart Klaußner glänzen können. Den Glanz des wirklich Außergewöhnlichen vermag Hirschbiegels Widerständler-Porträt indes nicht zu erzeugen. Aber vielleicht ist das kein Fehler, nachdem sein Führerbunkerdramolett DER UNTERGANG irgendwie zu viel davon hatte.

[ Sylvia Görke ]

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