Originaltitel: ENKLAVA

Serbien/D 2015, 92 min
FSK 12
Verleih: Barnsteiner

Genre: Drama, Erwachsenwerden

Darsteller: Filip Šubaric Denis Muric, Nebojša Glogovac, Anica Dobra

Regie: Goran Radovanovic

Kinostart: 16.02.17

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Enklave

Im Panzer zur Schule

Jeden Tag bringt ein KFOR-Panzer den 10jährigen Serben Nenad zur Schule. Im Inneren des Fahrzeugs ist es dunkel, nur ein vergitterter Sehschlitz erlaubt einen Blick nach draußen. Manchmal fährt auch Pater Drazha mit. Er wartet ungeduldig auf eine neue Glocke für seine zerstörte Kirche. In der Schule ist Nenad der einzige Schüler, bis auch seine Lehrerin sich eines Tages nach Belgrad aufmacht. Im Kosovo sieht sie keine Zukunft mehr.

In seinem Dorf – eine serbische Enklave in albanisch besiedeltem Gebiet – sind Nenad, sein Vater und sterbenskranker Großvater die einzigen noch verbliebenen Bewohner. Zur albanischen Bevölkerung besteht keinerlei Kontakt. Auch Jahre nach dem Krieg sind die Wunden noch immer offen. Ängstlich und voller Vorurteile belauern die Ethnien einander. Dagegen wirken die Vermittlungsversuche der KFOR so bemüht wie hilflos. Spielkameraden hat Nenad keine, sehnsüchtig beobachtet er die beiden albanischen Jungen, die den Panzer regelmäßig mit Steinen bewerfen. Die wiederum wollen gern einmal mitfahren. Eine vorsichtige Annäherung findet zwischen den Kindern statt. Der Hirtenjunge Bashkim, dessen Vater von Serben ermordet wurde, beargwöhnt sie feindselig. Wie alle Männer der Gegend trägt auch Bashkim ständig eine geladene Pistole mit sich rum. Mobiltelefone jedoch scheinen in dieser archaischen Welt unbekannt zu sein.

Indem der serbische Regisseur Goran Radovanovic aus der Perspektive seines jugendlichen Protagonisten erzählt, offenbart sich die ganze schmerzliche Absurdität dieses ethnischen Konfliktes. Den Kindern wird von Geburt an der Haß auf die anderen eingebleut. Allein ihr Entdeckungs- und Spieldrang steht dem entgegen. So bleibt am Ende von ENKLAVE zwar ein Hoffnungsschimmer, für das Zusammenleben von Serben und Albanern im Kosovo allerdings besteht kaum Anlaß zu Optimismus.

Das Drama ist karg inszeniert. Seine Figuren verlieren keine überflüssigen Worte, dafür drücken sich alle Emotionen in ihren Gesichtern aus. Insbesondere die Leistung des jungen Hauptdarstellers ist herausragend. 

Radovanovic’ jahrelange Arbeit als Dokumentarfilmer macht sich in ENKLAVE bemerkbar. Es ist auch dieser nüchterne und präzise Blick des Dokumentaristen, der den Film sehr sehenswert macht.

[ Dörthe Gromes ]

Lesezeichen:

Enklave ab heute im Kino in Leipzig

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