Originaltitel: ENTERTAINMENT

USA 2015, 87 min
FSK 16
Verleih: Drop-Out Cinema

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Gregg Turkington, Annabelle Lwin, Tye Sheridan, John C. Reilly

Regie: Rick Alverson

Kinostart: 15.09.16

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Entertainment

Keinen Hamburger, bitte!

Gott, ist der grottig! Und wie der wieder aussieht! Neil Hamburger ist von Beruf Comedian, doch weder er noch seine Bühnenfigur sind ansatzweise lustig. Peinlich, grotesk, bemitleidenswert, ekelerregend, dümmlich – Worte wie diese müßte man zücken, um ihn zu beschreiben. Besser, man setzt gleich noch Verschlimmerungen wie „sehr“ oder „äußerst“ davor.

Neil Hamburger hat sich der Unterhaltung verschrieben. Mutmaßlich seit Jahrzehnten tourt er als Alleinunterhalter durch Clubs, Kaschemmen, Knäste und Bars, zumeist mit den Mühen der Ebene, zur Zeit die der kalifornischen Wüste. Nun wollen wir nicht gleich das Groß-Herauskommen als oberste Priorität im Leben eines Künstlers preisen, Hamburger jedoch kann nie wirklich toll gewesen sein. Wie zum Hohn faselt er von einem Job in Hollywood, klebt sich mit Wasser die Strähnen fettigen Haares in so etwas wie sein Gesicht, blickt stoisch durch die völlig versiffte Brille, steckt in Klamotten, die bis in Reihe 32 noch jeden Kinos riechen werden.

Neil Hamburgers Masche sind fragende Gags mit fiesen Pointen, die er mit einem breitgezerrten „Whyyyyy??“ beginnt. Vorzugsweise geht es um Urin, Sperma, Elton John und Courtney Love. Von höchstens 13 Besuchern lachen nicht mal zwei. Pantomime Eddie, der für Hamburger anheizen soll, schlägt ihn mit nicht weniger billigem Klamauk um Längen. Abend für Abend geht das so. Und weil das so geht, beschimpft Neil die Gekommenen.

Hamburger ist am Entertainment gebrochen. Ein Kümmerling! Wenn er mit seiner Tochter telefoniert, weiß man schnell, daß sie keinesfalls am anderen Ende ist. Daddy hat sich in Psychosen, Neurosen, Erbärmlichkeiten geritten. Er ist ein Faß, das bald überläuft, gefüllt mit Obergärigem. Und ihm soll man jetzt zusehen?

Man soll, denn Regisseur Rick Alverson, ein Indie alter Provenienz, beweist ein weiteres Mal sein großes, waidwundes Herz für das Kaputte im Menschen. Er schrammt Grenzbereiche, mißtraut dem Schönen, feiert das Trostlose, mißt Abgründe aus. In Gregg Turkington hat er einen angstfreien, authentischen Darsteller gefunden, der seit zwei Jahrzehnten – eben – Neil Hamburger ist. Wie Alverson ihn in einer Art Slow-Motion-Roadmovie durch die Gegend schickt, auf andere Knallchargen treffen läßt, vornweg John C. Reilly als kaputter Cousin, ist ein mutiges Statement für Zumutbarkeit. Oder, Zitat, eine „halluzinogene Fuge.“

[ Andreas Körner ]

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