Originaltitel: ENZO
F/I/Belgien 2025, 103 min
FSK 16
Verleih: Salzgeber
Genre: Drama, Liebe, Schwul-Lesbisch
Darsteller: Eloy Pohu, Élodie Bouchez, Pierfranceso Favino
Regie: Robin Campillo
Kinostart: 02.04.26
Enzo erlebt ein Gefühlschaos. Erst auf dem Bau, dann in der Liebe. Der störrische Teenager entsagt der wohlhabenden Spießbürgerwelt seiner Familie und verweigert Schule und Studium, um Maurer zu werden. Bei der Arbeit entwickelt er nun ein Begehren für seinen älteren Kollegen, der allerdings droht, in die Ukraine zurückkehren und im Krieg kämpfen zu müssen. Regisseur Robin Campillo hat damit ein verzwicktes Jugenddrama inszeniert.
ENZO begann ursprünglich als Projekt von Laurent Cantet, der jedoch 2024 verstarb, ehe sein Kreativpartner Campillo den Film realisierte und vollendete. Seine Inszenierung kreiert facettenreich erdachte Momentaufnahmen, voll von jugendlicher Perspektivlosigkeit, Todessehnsucht und Verlangen in der sommerlichen Hitze an der Côte d’Azur. Unentwegt stößt der Titelheld dabei an die Grenzen seiner Rebellion und Provokation, sowohl innerhalb der Familie als auch in der Frage, ob seine Zuneigung überhaupt erwidert wird. Herkunft und Klasse, so heißen die Stolperfallen, derer sich die Figuren individuell bewußt werden.
ENZO erzählt das zwar aus einer privilegierten Perspektive, stellt diese zugleich aber auch zur Diskussion. Die Kamera beobachtet Männer beim Verfertigen ihrer Alltagsrollen – auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Zugehörigkeit wird mit neckender Gewalt durchgesetzt oder verwehrt, Frauen indes zur Selbstbestätigung und Geschlechter-Performance degradiert. Enzo entpuppt sich dabei als ambivalente Figur, gerade weil sein Begehren so uneindeutig und brüchig erscheint. Er kann den eigenen klassistischen Blick, mit dem er auf sein Gegenüber als Projektionsfläche schaut, immer weniger verbergen.
[ Janick Nolting ]