Originaltitel: Michael Eckhardt

D 2003, 110 min
Verleih: Senator

Genre: Liebe, Drama

Darsteller: Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason, Alice Dwyer, Max Mauff, Harald Schrott, Annett Renneberg

Regie: Lars Büchel

Kinostart: 04.03.04

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Erbsen auf halb 6

Sprödes Märchen einer Liebe im Dunkeln

Immer genau dann, wenn man das Gefühl hat, jetzt gehöre einem die Welt, tritt man in die Kacke. Oder schlimmer noch: Licht, Farben, Kontraste, Figuren und Konturen werden zum Relikt der Vergangenheit, zu bleichenden Erinnerungen, zum Damals. So geschieht es dem Theatermacher Jakob. Ein Unfall kostet ihn sein Augenlicht. Er, der mit Bildern, Imaginationen und Täuschungen so erfolgreich war, ist am Ende. Was soll da jetzt noch kommen? Da ist Lilly, Therapeutin von der Blindengruppe, ganz anders, optimistischer. Auch sie ist blind, von Geburt an, was Jakob ihr später zum Vorwurf machen wird: da sie die Welt noch nie gesehen hat, könne sie auch nicht wissen, was sie verpaßt. Das Kino will es so, daß sie sich nach einigen Sträubereien näher kommen, um sich später wieder verletzt zu verlieren, um sich am Ende ...

Lars Büchel führte eine Menge und sicher auch Gutes im Schilde. Doch in diesem Film über eine ungewöhnliche Liebe von beidem bisweilen etwas zu viel. So ist es für ihn unvermeidlich, daß Jakobs Mutter irgendwo in Rußland am Meer lebt, und genau dahin soll dann Jakobs Reise quer durch Europa von Hamburg über MeckPomm, über Polen ans Weiße Meer gehen. Derartige Szenarien sind konstruiert, ziemlich totgefilmt und auch ein bißchen feige, denn: sie sollen ablenken. Ablenken davon, daß es ohne epische Reisefotografie im heimischen Hamburg einfach schwieriger ist, von einer spröden Liebe zu erzählen. Sicher, aber spannender wäre es mitunter geworden. Denn die stimmungsvoll und beeindruckend verschwenderisch geführte Kamera kann zahlreiche Ungereimtheiten nicht kaschieren. So fabulierte Büchel den Wandel Jakobs vom zornigen Ekel zum Elegiker, der mit ausufernder Poesie den gefühlten Regen, den Himmel, die Rapsfelder und weiß Gott noch was beschreibt, doch etwas zu rasch herbei. Da bleibt man meist nur distanzierter Beobachter, was an sich sehr schade ist, da der Film durchaus charmante Momente hat und vor allem das deutsche Ausnahmetalent Fritzi Haberlandt die Lilly spielt.

Die schönste Idee, die allerdings mit der eigentlichen Geschichte nicht viel zu tun hat, wurde jedoch Lillys Schwester auf den pubertierenden Leib geschrieben: Während ihre Mutter in Panik Lilly nachreist, nutzt sie die Gunst der Stunde und verführt den Spangenknaben Ben möchtegernlässig und vergnüglich unerfahren.

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