Originaltitel: PARLEZ-MOI DE LA PLUIE

F 2008, 100 min
FSK 12
Verleih: Alamode

Genre: Tragikomödie, Liebe

Darsteller: Jean-Pierre Bacri, Agnès Jaoui, Jamel Debbouze, Florence Loiret Caille

Regie: Agnès Jaoui

Kinostart: 30.07.09

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Erzähl mir was vom Regen

Kleinere Ausflüchte und größere Lebenslügen

Der Einstieg verrät es gleich: Dieses hüpfend angeschlagene Klavier weist einen typischen Agnés-Jaoui-Film aus, man ist sofort vertraut, fühlt sich ohne Umschweife wohl. Jaouis Filme sind genau beobachtet, tun dabei nie richtig weh, auch weil sie in schöner und dabei lässiger Beharrlichkeit Liebesnarren, Peinlichkeiten und Persönlichkeitsdefizite ans Licht bringen. Das tut auch dieses Werk mit dem so saloppen wie trefflichen Titel, denn die Geschichte um die ehrgeizige Politikerin Agathe, das ungleiche Fernsehjournalisten-Duo Karim und Michel sowie die an ihrer Ehe so müde Florence, Schwester Agathes und Geliebte Michels, perlt quasi ein wenig wie vom Himmel nieder. Das ist keineswegs pejorativ gemeint, eher versteht sich Jaoui auf die Kunst, Maßgebliches aus dem Leben ihrer Figuren präzise und gleichsam mit einer kunstvollen Beiläufigkeit zu erzählen.

Schmunzeln, mindestens, muß man schon, wenn man das ungleiche Duo Michel und Karim sieht, mit den Vollblutmimen Jean-Pierre Bacri und Jamel Debbouze kongenial besetzt. Einer professioneller als der andere, verbissener Ehrgeiz trifft auf ausgestellte Nonchalance. Schief gehen kann das nur, was es schließlich auch tut: Mal werden Termine verpatzt, dann aus dem Ruder laufende, da allzu bissige Fragen beim Dreh des Politikerinnenporträts gestellt – große merde auch das, denn da hat doch wer vergessen, die Kamera anzustellen. Profis eben ... All das kann passieren, schließlich schielt Michel ohnehin nur zu Florence, und die Pubertät seines Sohnes setzt ihm auch ganz schön zu. Und außerdem regnet und regnet es ...

Endlich mal wieder einer der Filme, die von Erwachsenen für Erwachsene erzählen. Komplex und dennoch leichthändig sind sie, geradezu hingehaucht werden sie, diese kleineren Ausflüchte und größeren Lebenslügen der schrägen Protagonisten. Toll, daß Jaoui ihrem Lebenspartner Bacri immer wieder Liebhaberrollen schreibt, wunderbar wie uneitel sie sich selbst als eine der so gegensätzlichen Schwestern inszeniert, und es ist ganz fabelhaft, wie sie einen uralten schwelenden Konflikt von Ausbeutung und Schuld in der Figur von Karims algerischer Mama, die sich im Haushalt Florences verdingt, einflicht, ohne Schulbücher durchzupflügen.

Jaoui drückt den Finger auf die neuralgischen Punkte, entlarvt schnöden Machtwillen und die Hektik der Moderne, wo ständig piepsende Handys und Termin auf Termin das Zwischenmenschliche zu verdrängen drohen. Und für die Hilflosigkeit der Lebensgestreßten findet sie auch hier mal wieder formidable Bilder. Das mit der Schafsherde sei kurz erwähnt ... und schließlich unbedingt selbst angeschaut.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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