Originaltitel: FAST FOOD, FAST WOMEN

USA 2000, 90 min
Verleih: Arthaus

Genre: Komödie

Darsteller: Anna Thomson, Jamie Harris

Regie: Amos Kollek

Kinostart: 08.03.01

1 Bewertung

Fast Food, Fast Women

Woody, sei wachsam!

Die Uhr tickt. Bella, Kellnerin in einem kauzigen Diner, geht straff auf die 35 zu, vögelt seit Jahren mit einem verheirateten und entscheidungsarmen Typen rum und merkt genau jetzt, daß ihr dieses Leben eben nicht mehr genügt. Kinder und Familie hätte sie schon ganz gern. Durch ihre Arbeit, die sie immer wieder an den Nagel hängen möchte, lernt sie schon mal Typen kennen, verschreckt diese aber mit ihren sozialen Wohlfühlwünschen sehr schnell.

Doch dann trifft sie den erfolglosen Schreiberling Bruno. Jetzt will die gute Bella alles anders machen, spricht mit ihm über ihre Abneigung gegen kleine kreischende Racker, Ehe und all diesen bürgerlichen Mist. Fettnäpfchen par excellence: denn Bruno ist nach seiner Scheidung alleinerziehender Vater zweier reizender Gören. Die Frau hat ihn - natürlich - wegen der Kautschukkünste ihres Yogalehrers verlassen. Doch Bella und Bruno sind bei weitem nicht die einzigen, die sich ihr Glück hart erkämpfen müssen. Der Witwer Paul rafft sich nach Jahren der Lethargie auf, antwortet auf eine Kontakt-anzeige und verliebt sich in die Witwe Emily. Doch deren Selbstbewußtsein und Lebenslust muß der scheue Paul erst einmal verkraften. Seinem alten Kumpel Seymour geht es eigentlich noch beschissener. Er hat sich verliebt - in eine blutjunge Peep-Show-Stripperin...

Großartig, berauschend, ein ungeschliffener Juwel! Nach seinen tristen New-York-Balladen SUE und FIONA hat Amos Kollek neue, weitaus lebensbejahendere Wege eingeschlagen und - wiederum mit seiner Muse Anna Thomson - ein heiter-melancholisches Großstadtmärchen gedreht. Dieser Mut neues Terrain zu betreten, hat sich gelohnt. Lebensecht, respektvoll schrullig, herzblutig und leidenschaftlich erzählt Kollek von der großen Sehnsucht kleiner Leute, aus dem Leben mehr rauszuholen als nur Erträglichkeit. Er erinnert mit diesem filmischen Kleinod an die großen Erfolge Woody Allens. Eigentlich hängt er den Altmeister des kauzigen Humors hiermit ab.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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