Originaltitel: FIRST POSITION

USA 2011, 94 min
FSK 0
Verleih: Ascot

Genre: Dokumentation

Regie: Bess Kargman

Kinostart: 04.07.13

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First Position

Lebe Deinen Traum, tanze!

Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Das Plakat zum Film zeigt eine springende Ballettänzerin im gleißenden Gegenlicht, die sich scheinbar schwerelos über die niedere Realität der Straßenschlucht erhebt. Also, ich denke da an FAME. Alles ist möglich, wenn Du in New York bist, das richtige Talent hast und den eisernen Willen, um jeden Preis Deinem Traum zu folgen, nämlich als Tänzer, Schauspieler, Künstler Dein Leben zu verwandeln. Und dann: „I’m Gonna Live Forever.“ Really?

Nun gut, diesmal ist es echt: ein Dokumentarfilm über Kinder und Jugendliche, die ihrem Traum von der Ballett-Karriere beim „Youth America Grand Prix“ in New York, einem der weltweit größten Tanzwettbewerbe mit Verteilerfunktion, näherkommen wollen. Hier entscheidet sich sozusagen ihr Schicksal, suggeriert der Film. Der verfolgt eine Handvoll Protagonisten aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Verhältnissen bei der Vorbereitung. Alle Stränge fließen natürlich im großen Finale zusammen, bei dem der Zuschauer mitfiebern darf. Eines wird immer wieder vorgepredigt: Sie sind hochmotiviert, sie wollen es wirklich, und sie sind bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen. Etwa, sich mit einer sehr ernsten Sehnenentzündung auf die Zehenspitzen zu begeben und den Schmerz wegzutanzen. Und natürlich auf einen Teil der Kindheit zu verzichten.

Regisseurin Bess Kargmann betont, sie wolle mit Klischees aufräumen, damit, daß alle Ballettänzer weiß sind, die Männer schwul, die Frauen magersüchtig, daß sie aus der High Society stammen, und Ballett ein niedlicher, ungefährlicher Sport ist, der den Leuten wenig abverlangt. Deshalb packt sie in jede Tonlücke eine Expertenaussage, auch wenn man schon lange nicht mehr weiß, wer eigentlich spricht. Vom wirklichen Leben der kleinen und großen Tänzer, dem Verhältnis zu ihren Familien und zu ihren Trainern, von ihren Sorgen und Ängsten erfahren wir wenig. Mit einer Ausnahme, einem Mädchen, das als Kriegskind in Afrika geboren wurde, ihre Adoption durch eine amerikanische Familie als Wunder empfindet, und die als Einzige auch schon eine Idee vom Leben nach 35 hat, plätschert alles an der Oberfläche dahin, ohne eigenen Standpunkt, nicht einmal mit einem künstlerischen Ansatz.

Am Ende wurden uns lauter Aschenputtelgeschichten erzählt: Du kannst es schaffen, wenn Du es nur willst. Einen so unkritischen Blick auf den amerikanischen Traum hat man kaum noch für möglich gehalten.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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