D 2007, 93 min
Verleih: déjà-vu

Genre: Dokumentation, Musik

Darsteller: Matilde Coral, Eva Yerbabuena, El Pele, Soraya Clavijo, Andrés Marin, Maria Perez

Stab:
Regie: Peter Sempel
Drehbuch: Peter Sempel

Kinostart: 11.09.08

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Flamenco Mi Vida

Hetzjagd um ein Kulturgut

Eine schweißüberströmte Tänzerin auf staubigem Bühnenboden. Die unruhige Kamera fängt immer nur Bruchstücke ein: das ausdrucksstarke, naß-glänzende Gesicht, die in wahnsinnigem Tempo rhythmisch aufstampfenden Schuhe, das begeistert zwischenrufende Publikum. Die Leidenschaft und Energie des Flamenco fängt Peter Sempels Film von der ersten Minute an ein. Doch wer glaubt, es folge eine klar gegliederte Doku mit historischer Rückverfolgung der Musik und des Tanzes und Erklärungen zu Verbreitung und Formen, liegt falsch. Peter Sempel verbleibt im fragmentarischen Erzählen. Eindrucksfetzen bekommt man serviert, die mal genau das Wesen dieser von purer Emotion getriebener Lied- und Tanzform erfassen, dann wieder belanglos im eigenen Ungestüm versinken.

FLAMENCO MI VIDA ist neben Musik- und Tanzfilm auch ein Roadmovie. Erste Station ist die Flamenco-Hochburg Sevilla in Andalusien, wo die Kultur ihr Zentrum hat. Hier lernen wir unzählige Menschen kennen, die besessen vom Tanz und den Liedern sind, mit Leidenschaft und harter Arbeit ihre Tradition am Leben halten. Ein großer Name nach dem anderen wird einem um die Ohren gehauen, doch Peter Sempels Ziel ist es nicht, einem diese im Gedächtnis zu verankern. Er springt sofort weiter, nächster Halt: Delhi. Denn aus Indien brachten die Zigeuner den Flamenco angeblich nach Andalusien.

Ein dermaßen ergreifendes Kulturgut macht wie dieser Film nicht Halt. Auch Tokio und Kairo sind Städte, wo der Flamenco die Massen bewegt, überall findet Sempel charismatische Tänzer und Musiker, die mit flammenden Augen ihr Glaubensbekenntnis in die Kamera sprechen: "Flamenco, mi vida - mein Leben." Immer wieder eingestreut: atmosphärische Bilder der Landschaft, der Tiere, des Stadtlebens. Genauso willkürlich und wacklig, wie die Tanzbilder, genauso feurig.

Zugegeben, nach einer gewissen Zeit nervt Sempels Wackelkamera etwas. Aber er bleibt konsequent. Und wenn Sempel auch nur etwas Ruhe in seine Doku gebracht hätte, es wäre tatsächlich ein völlig anderer Film geworden. So bleibt seine Hetzjagd nach dem Zauber des Flamenco ein Werk in Fetzen. Einzigartig, aber auch etwas anstrengend.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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