CH/D 2011, 84 min
Verleih: Movienet

Genre: Tragikomödie, Schräg

Darsteller: Meret Becker, Elisa Schlott, Barnaby Metschurat

Regie: Güzin Kar

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Fliegende Fische müssen ins Meer

Die Mutter als Antiheldin

Roberta ist die „Arschkarte“ unter allen Müttern dieser Erde, wie die 16jährige Nana zum Auftakt erklärt. Roberta ist ihre Mutter. Und diese hat bisher nichts anbrennen lassen, sich der Liebe immer hingegeben und nebenbei den Hoffnungen, irgendeiner dieser zahlreichen Männer würde sie aus dem namenlosen Dorf an der deutsch-schweizerischen Grenze erlösen. Bisher ist der Hang zur Exotik nur in Nanas Halbgeschwistern Tatjana und Toto faßbar geworden. Und in Robertas auffallend kurzen Kleidern sowie ihrem Laisser-faire-Lebensstil. Aber die Außenseiterrolle stört nur Nana und das Jugendamt, das Roberta endlich zu mehr Verantwortung zwingen will.

Regisseurin Güzin Kar zeigt das Leben einer alleinerziehenden Mutter am (ökonomischen) Rand der Gesellschaft in gewollt knallbunten, kulissenhaften Sets und mit komödiantischem Unterton. Alles, was nach Sozialdrama klingt, wird so weit überspannt, daß es seine Grausamkeit verliert: So erscheint die Jugendamtbeamtin eingesperrt in einem Stützkorsett mit Betonfrisur, die verlotterte Wohnung Robertas hat viel von einer Pippi-Langstrumpf-Behausung, und die restlichen Mütter des Dorfes sehen gegen Robertas Power-Outfit reichlich sahnegeschlagen aus. Durch die schauspielerische Präsenz von Meret Becker nimmt man Roberta ihre Rotzigkeit auch ab, und Elisa Schlott als Nana gibt der Handlung die nötige Tiefe, die davor bewahrt, daß es gar zu lustig zugeht in Robertas verschrobener Welt. Die Wende kommt in Form des Arztes Eduardo, der allen Frauen im Dorf den Kopf verdreht. Einschließlich Nana. Und ausgerechnet Roberta ist es, die sie davor bewahrt, sich aus enttäuschter Liebe aus dem Leben zu stürzen.

Kar rückt also die Rollenverteilung zwischen Tochter und Mutter wieder gerade, läßt anklingen, daß nicht-konforme Lebensmodelle durchaus stärken können, wohingegen heile Kulissen auch Risse haben. Die Frage, die, wie oft auch im realen Leben, nicht fällt, ist die nach der Verantwortung der leiblichen Väter. Die kommen schlichtweg nicht vor. Ersatzväter sollen im Verlauf des Filmes zwar gefunden werden, aber letztendlich steht Roberta mit der „Schuldfrage“ alleine da. Sie soll/muß ihren Egoismus überwinden, um eine „gute“ Mutter zu sein. Kar läßt sie zwar gekonnt weder gänzlich scheitern, noch wird Roberta reformiert. Verschenkt bleibt jedoch der Blick über den „mütterlichen“ Tellerrand hinaus.

[ Susanne Schulz ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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