CH 2017, 98 min
FSK 0
Verleih: X Verleih

Genre: Komödie

Darsteller: Beat Schlatter, Bendrit Bajra, Doro Müggler

Regie: Peter Luisi

Kinostart: 16.11.17

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Flitzer

Im Schlendertempo von charmant bis bräsig

Flitzer, das sind ja diese Typen, die sich bevorzugt bei sportlichen Großveranstaltungen plötzlich nackig machen, nur um in all ihrer Pracht und aller Öffentlichkeit einen zackigen Kurzstreckenlauf hinzulegen. Die also flitzen, bis sie irgendwann vom Ordnungspersonal eingefangen und zur Räson gebracht werden. Und man muß sich jetzt auch gar nicht groß bei der psychologischen Gemengelage dieser Freikörperkulturanarchisten aufhalten, um zu konstatieren: Einer wie dieser Lehrer Sebastian „Balz“ Näf gehört nicht zu denen. Zu derartigen Absurditäten und Regelwidrigkeiten würde sich diese menschliche Inkarnation eines trockenen Brötchens niemals hinreißen lassen. Es sei denn …

Nun, um es an der Stelle gleich zu sagen: Dieses „es sei denn“, also die Exposition, die erzählt, warum der Balz dann doch macht, was er eigentlich nie machen würde, sie ist die bleierne Schwachstelle dieses Films. Nicht seine einzige, aber eine gravierende. Was weniger an inhaltlichen Aspekten liegt (die sind so weit okay), sondern an formalen. An diesen TV-Bildern, die ungefähr so ansehnlich geschneidert und geschnitten sind wie des Lehrers ausgebeulte Cordhosen.

Andererseits: Man gewöhnt sich dran. Halbwegs. Und hat man die Exposition überstanden, bietet diese Story vom trockenen Brötchen, das zum frechen Früchtchen wird, einiges an amüsanten Haken, Finten und Figuren. Da gerät also der Balz erst einmal in eine auch finanziell prekäre Situation, aus der er sich zu befreien hofft, indem er aus dem anarchischen Flitzertum ein gewinnbringendes Geschäftsmodell macht. Er schmiedet einen Trupp zusammen, der bereit ist, in den Fußballstadien des heimischen Kantons nackte Tatsachen zu schaffen, und schließt dann Wetten ab, wie lange es der jeweilige Flitzer schafft zu flitzen. Das funktioniert in der Tat prächtig, ruft aber bald eine Polizistin auf den Plan, die der Flitzer-Mafia samt ihrem geheimnisvollen Paten den Garaus machen will. Daß die attraktive Dame zugleich die alleinerziehende Mutter einer Schülerin des alleinerziehenden Balz ist, sorgt für die, ganz klar, romantischen Aspekte im sonst wenig romantischen Flitzer-Plot.

Der dann freilich insgesamt, baumelnde Pimmel hin, wippende Brüste her, reinste Konvention ist. Erzählerisch eher am Schlendern als am Flitzen, deckt der Film dabei einiges ab, von charmant und amüsant bis gemütlich und bräsig.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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