Originaltitel: FINDING FORRESTER

USA 2000, 135 min
Verleih: Columbia

Genre: Drama

Darsteller: Sean Connery, Rob Brown, F. Murray Abraham, Busta Rhymes

Regie: Gus van Sant

Kinostart: 01.03.01

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Forrester – Gefunden!

Über einen Zauberlehrling aus der Bronx

Es gibt Rollen, die sind einfach für Connery gemacht: der weise Franziskaner in DER NAME DER ROSE, der gealterte Held in ROBIN UND MARIAN oder Indiana Jones’ anstrengender Daddy. Die Figur des kauzigen Literaten William Forrester dürfte ebenfalls in diese Reihe gehören, gibt sie dem bärbeißigen Schotten doch reichlich Gelegenheit, kantigen Charme und aphoristische Klugheit zu versprühen. Rob Brown, im Film sein jugendlicher Zögling Jamal, erweist sich als perfektes Gegenüber. Zwischen dem zurückgezogen und unerkannt in der Bronx lebenden Schriftstellergenie und dem 16-jährigen schwarzen Basketballcrack entspinnt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, durch die beide sich verändern und vor allem menschlich wachsen. Alles beginnt mit einer kindischen Mutprobe und einem Rucksack.

Aus mißtrauischer Annäherung wird großes Vertrauen, und Forrester hilft dem Jungen, sein unglaubliches schriftstellerisches Talent in wirkliches Können umzusetzen. Als Jamal dann von der öffentlichen auf eine Eliteschule gelobt wird, muß er sich gegen dumme Vorurteile und den Neid eines Literaturprofessors wehren, der es selbst nie zum gefeierten Poeten bringen konnte. Im ungleichen Kampf gegen den etablierten Lehrer, der Jamal kaum mehr zutraut als gutes Dribbling und gewitzten Einsatz auf dem Basketballfeld, muß auch Forrester Stellung beziehen und endgültig sein Einsiedlerdasein aufgeben.

Mit dieser Story, die sich stellenweise hart an der Grenze zum Rührstück bewegt, hat Van Sant zwar nicht wirklich viel riskiert, doch Balsam fürs Herz ist seine Geschichte über Vertrauen und Freundschaft allemal. Gelungen sind vor allem die Szenen, in denen Forrester und Jamal sich ganz aufeinander konzentrieren, sich necken und herausfordern. Die Dialoge schwingen zwischen zickiger Screwball-Comedy-Manier und intellektueller Auseinandersetzung. Schwächen zeigt van Sant allerdings, wenn er die Privatheit verläßt und Rassismus oder Klassenunterschiede thematisiert. So schafft er es nicht, Jamals sozialen Backround überzeugend herauszuarbeiten und der an sich spannenden Figur ein paar interessante Kanten zu verleihen.

[ Sylvia Görke ]

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