D 2018, 92 min
FSK 0
Verleih: Alpenrepublik

Genre: Komödie

Darsteller: Julia Jentsch, Alexandra Helmig, Annette Frier

Regie: Felicitas Darschin

Kinostart: 21.03.19

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Frau Mutter Tier

Die verunglimpfte Rolle

Es ist das, was Mütter nun mal so machen: Marie schiebt in schickem Mantel ihren Nachwuchs auf den Spielplatz und fängt erst mal an, mit dem Plastikrechen den Sand vom Dreck zu befreien, bevor der Junge spielen darf. Später lacht und tratscht sie mit den anderen Müttern. Intellektuelle Höhepunkte sind Diskussionen über die besten veganen Dinkelkekse oder die nicht vorhandenen Fremdsprachenkenntnisse der Kleinen. Es wird beäugt, gezweifelt und gekrittelt. Das Klima auf dem Spielplatz – so macht es uns die Filmemacherin ziemlich schnell klar – ähnelt eher dem eines Kühlschranks als einem Sommernachmittag in der gemäßigten Zone. Und die Mütter, die sie hier präsentiert, sind entweder pedantische Spießerinnen, verspannte Besserwisserinnen oder einfach nur fiese Kröten.

Es steht also, so verrät es auch der Titel FRAU MUTTER TIER, nicht gut um die heutigen Mütter. Neben Übermutter Marie gibt es noch Nela, die eigentlich nur mit ihrem Laptop kommuniziert anstatt mit ihrem Kind, oder Tine, die an Kinderbetreuung und fehlenden Liebhabern krankt. Anhand von Klischeebildern dem Mütterwahnsinn den Spiegel vorzuhalten, ist ja erst mal keine schlechte Idee. Aber leider geht sie nicht auf. Die Figuren bleiben zwischen Banalität und Übersteigerung stecken, die Dialoge wirken aufgesetzt und künstlich. Die Lage kulminiert, als Marie im Bio-Laden die Duschbadpyramide umschmeißt und von der Chefin wüst beschimpft wird. Das ist weder lustig noch traurig, eher befremdlich, und man fragt sich, wohin uns die geballte Beschallung mit Vorurteilen bringen soll?

Klar, jedes Klischee kommt auch irgendwoher. Aber anstatt ein System auf die Schippe zu nehmen, welches das Muttersein ideologisch überlastet, werden Probleme auf den Schultern der Frauen abgeladen, als wären sie Wesen von einem anderen Stern, eine eigene Spezies. Ist die Erziehung von Kindern zu mündigen Steuerzahlern nicht eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe? Und wer würde schon vom Vatertier sprechen?

Am Ende wird der Zeigefinger hochgehalten. Die Mütter sollen sich doch bitteschön entspannen, weniger pedantisch sein, weniger arbeiten oder eben schnell den geeigneten Mann finden. Denn erst der macht das Glück perfekt. Da ist es auch egal, ob er mit der hübschen Assistentin auf Dienstreise ist oder mit den Kumpels beim Biertrinken. Im 21. Jahrhundert hätten wir wahrlich eine andere Auseinandersetzung mit dem Muttersein verdient.

[ Claudia Euen ]

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