D 2010, 106 min
Verleih: Piffl

Genre: Dokumentation, Sport

Regie: Gerardo Milsztein

Kinostart: 17.06.10

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Friedensschlag

Boxen für den Seelenfrieden

Das Leben, ein Kampf. Der erfordert Beherrschung, Selbstdisziplin, Konzentration. Das Vermögen einzustecken und freilich auch auszuteilen. Aber alles, ganz klar, nach den Maßgaben des Fair Play. Das alles gilt es zu lernen für eine Gruppe männlicher Jugendlicher. Nicht jeder von denen, um die Klischees weiter abzuhaken, mit Migrationshintergrund. Allerdings alle geschlossen aus dem sozialen Biotop stammend, den man heute wieder frisch und wohlgemut mit „Unterschicht“ etikettiert. Als würde das alles erklären …

Gerardo Milszteins Dokumentarfilm FRIEDENSSCHLAG bietet auf den ersten Blick alles auf, was es an besagten Klischees so gibt. Also Boxen als Metapher fürs Leben und die daraus resultierende Schlußfolgerung, daß man das Leben lernen oder zumindest trainieren kann, wie eben Boxen. Dazu kommen dann Jungens wie Eftal, Juan, Josef oder Marco, Archetypen vom Kiez des sozialen Abseits, denen es mit besagtem Sport zurück auf die richtige Bahn zu helfen gilt. Toll nun an FRIEDENSSCHLAG ist, daß man sehen kann, wie schwer das tatsächlich ist. Das mag wie eine Binsenweisheit klingen – ist aber so. FRIEDENSSCHLAG ist ein Statement. Gegen Pauschalisierungen, gegen das populistische Krähen nach „härteren Gesetzen“, gegen die Behauptung, Menschen könnten sich nicht ändern.

2002 gründeten Rupert Voss und Werner Makella in Bayern die „Work & Box Company“ als Maßnahmenprogramm für gewaltbereite, männliche Jugendliche. Ein Maßnahmenprogramm als letzte Alternative zum Knast. Verhaltensmuster aufbrechen, simple Beherrschung lernen, neue Kommunikationsstrukturen und Konfliktbewältigungsmethoden aufzeigen. Nicht mit militärischem Drill, nicht mit der Überlegenheit der Drohkulisse Knast. „Work & Box Company“ geht den steinigen, den harten Weg: den der Bewußtseinsarbeit. „Wir glauben an euch, tut ihr es auch!“ – ist das Mantra, das Voss, Makella und Helfer den Jugendlichen immer wieder nahebringen.

Von stiller Dramatik ist, wie die sich dagegen sperren, verloren gehen, wieder kommen, sich öffnen, scheitern, sich aufrappeln, einstecken und austeilen. Eine stille Dramatik, die leider mit einem recht nervigen Soundtrack aufgepäppelt wurde. Die Pädagogen-Pop-Poesie der Band P:lot, die sich durch diese Doku zieht, ist dann auch deren einziges wirkliches Manko.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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