D 2010, 88 min
Verleih: GMfilms

Genre: Dokumentation

Regie: Bertram Verhaag

Kinostart: 07.04.11

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Gekaufte Wahrheit

Haarsträubendes über Gentechnik

Angekündigt als politischer Thriller über Gentechnik und Meinungsfreiheit, hält dieser Film, was er verspricht. Regisseur Bertram Verhaag nimmt in diesem Film nicht nur die Gentechnik selbst in den Fokus, sondern stellt die Frage nach der Unabhängigkeit der Wissenschaft. Diese Frage ist alles andere als unwichtig: De facto werden ca. 90 Prozent aller wissenschaftlichen Studien über gentechnisch veränderte Organismen über sogenannte Drittmittel finanziert. Und diese Gelder stammen häufig direkt von der Industrie, besonders in Bereichen wie der Agrarindustrie, wo Forschungsergebnisse mehr oder weniger direkt in marktfähige Produkte übersetzt werden können. Hier setzen Konzerne wie Monsanto mit den Ergebnissen gentechnischer Versuchsreihen Millionen um. Und Bertram Verhaag zeigt, daß sie sich keineswegs damit begnügen, „nur“ zu entscheiden, welchen Fragen nachgegangen wird, sondern die Forschung auch ganz aktiv und direkt manipulieren.

Eine falsche Frage kann einen Gentechnikforscher die Karriere kosten. Verhaag hat für seinen Film mehrere Kronzeugen gefunden, die lange als Forscher „innerhalb“ des System agierten, bis sie während ihrer Arbeit auf beunruhigende Fakten stießen und es wagten, diese auch zu veröffentlichen. Wenige Tage später waren sie ihre Jobs und ihre wissenschaftliche Reputation los. Mit ihrer Hilfe gelingt es dem Film, die vielfältigen Interessensverflechtungen unter der Hochglanzoberfläche von Monsanto und Co. herauszuarbeiten. Eine Aufgabe, die man angesichts der Komplexität des Themas nicht unterschätzen sollte.

Leider bleibt bei der stark detektivisch geprägten Arbeit und der zwingenden Notwendigkeit, jede einzelne Filmszene juristisch „wasserdicht“ (und somit unangreifbar durch Klagen von Monsanto und Co.) zu machen, die visuelle Gestaltung des Films ein bißchen auf der Strecke. Da fühlt man sich schon mal an ambitionierte TV-Reportagen erinnert.

Tatsächlich gehört ein Film wie GEKAUFTE WAHRHEIT (nach seiner Kinoauswertung!) unbedingt ins Fernsehen. Nicht nur, weil das Thema Gentechnik schlichtweg alle angeht, sondern weil dieser Film einem die Augen öffnet für die unzweifelhafte Tatsache, daß die Wissenschaft grundsätzlich längst nicht mehr der Ort ist, wo „Wahrheit“ produziert wird.

[ Luc-Carolin Ziemann ]

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