Originaltitel: GOD’S OWN COUNTRY

GB 2017, 104 min
FSK 12
Verleih: Salzgeber

Genre: Drama, Liebe, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Josh O’Connor, Alec Secareanu, Gemma Jones

Regie: Francis Lee

Kinostart: 26.10.17

1 Bewertung

God’s Own Country

Eine schwule Liebe in Yorkshire

Ja, auch auf der zurückliegenden Berlinale, wo diese mitreißende Liebesgeschichte zu sehen war, stimmten sie wieder an, all die Besserwisser, Alleskenner und Geschmackspolizisten, nach denen Francis Lees Drama mal wieder zu konventionell erzählt sei. Wie bitte soll es denn aussehen, dieses ewige Sich-Neuerfinden des Kinos? Und wenn konventionell bedeutet, derart gekonnt, glaubwürdig und anrührend unter Verzicht jeder Sentimentalität zu erzählen, wie es Lee in GOD’S OWN COUNTRY gelingt, dann bitte mehr davon und Klappe halten!

Doch zum Film an sich: Mit Johnny möchte man nicht tauschen. Die harte Arbeit auf der Farm des Vaters, der nach einem Schlaganfall ausfällt und allenfalls Zurechtweisendes seinem Sohn entgegenschleudert, die heimlichen Treffs auf Toiletten zum Sex mit anderen Männern – es ist eine stumpfsinnige, eintönige Existenz, die Johnny zu einem rauhen, sich häufig besaufenden und wortkargen Typen gemacht hat. Und zu einem (auf sich) wütenden zudem. Das bekommt auch der für die Viehzucht und Landarbeit angeheuerte Rumäne Gheorghe zu spüren, der aber wehrt sich. Und in dieser Gegenwehr liegt der Schlüssel zu einem empfindsameren, sich verliebenden Johnny, der das ruppig startende Glück beinahe wieder richtig versemmelt.

Lee erzählt in seinem komplexen Film, der in die morbid-schöne Landschaft Nordenglands gebettet ist, gottlob nicht schon wieder von Homophobie in ländlichen Gefilden, das hat man wahrlich oft genug sehen (Gruß an die Alleskenner!), dafür zeichnet er die Geschichte einer widerspenstigen Zuneigung sehr körperlich und in einer gewissen Lust an Rivalität, Anziehung, Verdrängung, aufkommender Liebe, familiärer Annäherung, dem „Erlernen“ von Zärtlichkeit und der Fragilität von zum Heulen schönen Hoffnungsmomenten. Lee tut dies über Blicke, Andeutungen, kleine Berührungen, all das zeigt den Wandel Johnnys am eindrucksvollsten, wenn man gerade noch an seine eher groben, anonymen Ficks hinter Viehwaggons denkt. Johnny ist ein Meister der Verdrängung, durch die Begegnung mit Gheorghe wird er gezwungen, sich zu öffnen, Gefühle zuzulassen, weniger hart auch zu sich selbst zu sein.

Und wenn zum Schluß Johnnys Vater sein „That’s OK“gibt, und Patrick Wolf (kein Anderer konnte es sein!) vom Entfliehen der Leere und Einsamkeit in „The Days“ anhebt, sollte das letzte Herz aus Stein weich werden. Wenn nicht, dann haben die Besserwisser gewonnen ...

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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