Originaltitel: GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE
USA/D 2025, 134 min
Verleih: Constantin
Genre: Science Fiction, Action, Abenteuer
Darsteller: Sam Rockwell, Zazie Beetz, Juno Temple
Regie: Gore Verbinski
Kinostart: 12.03.26
Was für ein Auftritt! Sam Rockwell gibt die Rampensau in diesem neuen Film von FLUCH DER KARIBIK-Regisseur Gore Verbinski. In einem durchsichtigen Regenmantel und mit allerlei Kabeln und Drähten am Körper betritt er ein Diner, um sich so richtig auszukotzen und sein Umfeld an den Ernst der Lage zu erinnern. „Das ist kein Überfall. Ich bin aus der Zukunft!“, sagt er. Der angebliche Zeitreisende ist auf der Suche nach Verbündeten, um gegen den drohenden Weltuntergang, die „faschistische Selfie-Kultur“ und aufziehende Tyrannei einer Super-KI zu Felde zu ziehen.
Während er also pausenlos schimpfend über Tische und Bänke stapft, daß die Kaffeetassen nur so wackeln, stellt sich ein Verdacht ein: Vielleicht ist DAS der eigentlich spannende Film, der in GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE lauert. Ein Kammerspiel nämlich, bei dem ein selbsternannter Weltretter als Freak, Showman und Diktator gleichermaßen in Erscheinung tritt, der die unbedarften Gäste in den Kampf schicken will. Aber sagt er überhaupt die Wahrheit? Kommt er wirklich aus der Zukunft? Ist er ein verwirrter Obdachloser, Schwurbler oder gar ein Selbstmordattentäter?
Bei Verbinski darf dieses unsichere Szenario allerdings nur den Prolog und Rahmen für eine Verfolgungsjagd bilden, um den Plan zur Weltrettung in die Tat umzusetzen. Angereichert wird das mit Rückblenden, die die einzelnen Charaktere in kurzen Episoden rund um KI- und VR-Wahn in einem Einmaleins des dystopischen Kinos vorstellen. Es sind schön schräge Ideen dabei! Ein Godzilla-Katzen-Monstrum und ein Technik-Tempel, in dem der Programmierer als Gott und Götze hockt, sind nur zwei der Schauwerte, die im Gedächtnis bleiben.
In Verbinskis Schaffen gehört das überdrehte Sci-Fi-Opus trotz realitätsverzerrender, rabiater Twists dennoch nicht zu seinen allerstärksten Arbeiten. Dafür ist diese Satire manchmal zu denkfaul und altbacken geraten. Sie reicht im Kern nicht viel weiter, als smartphonesüchtige Teenager als Zombiehorden zu zeigen und der Menschheit eine Technik-Allergie an den Hals zu wünschen. Um mit den heutigen Auswüchsen und Durchdringungen von Konzernokratie und Techno-Faschismus Schritt zu halten, braucht es aber schon ein paar frischere Pointen. „Das sind alles nur Mindfucks“, heißt es irgendwann, doch selbige wirken gewöhnlicher, als sie es womöglich wahrhaben wollen.
[ Janick Nolting ]