Originaltitel: HALAL DADDY

Irland/D 2017, 95 min
FSK 12
Verleih: Koch Films

Genre: Komödie

Darsteller: Nikesh Patel, Colm Meaney, Art Malik, Sarah Bolger, David Kross

Regie: Conor McDermottroe

Kinostart: 21.06.18

1 Bewertung

Halaleluja

Wenig Grund zur Freude

Es dämmert der Tag, an dem sogar der abgehärtete Rezensent die geistigen Segel streicht. Zum Beispiel dann, wenn sich der oft genommene Culture Clash einen deutschen Titelnachklapp gönnt, den man eigentlich nicht wiederholen will: „Iren sind menschlich!“ Leute – ernsthaft?! Im Raum steht trotzdem aufgeplustert das Versprechen einer „Sommerkomödie, die auch Vegetariern riesigen Spaß machen wird“, und vermutlich trifft das Sprüchlein primär für Anhänger besagten Ernährungsmodells tatsächlich absolut zu, so anämisch, wie die ganze Chose geriet …

Hätte man wohl kaum gedacht angesichts eines Films, in dessen Zentrum ein ausrangierter Schlachthof prangt. Den kriegt Ragdan (in Irland lebender Moslem britisch-indischer Abstammung) von seinem Vater (den die Frau verließ, was man gut versteht – der Mann ist ein übler Stoffel) zum Geburtstag geschenkt. Ragdan würde gern sein Umtauschrecht in Anspruch nehmen, geht ihm doch nichts über Abhängen mit seinen eingebildet coolen Kumpels und Freundin Maeve. Bereits das erste Problem: Wieso sollte man Menschen sympathisch finden, die tagein, tagaus nerviges Zeug schwafeln, nutzlos rumdämmern und – ob männlich oder weiblich – einander konfliktlösend in die Fresse hauen? Jedenfalls dampft Maeve ab, ihr Herr Papa dagegen unterstützt Ragdan beim ungeliebten Aufbau eines Halal-Fleischverarbeitungsbetriebes. Für den jungen Mann kommt’s also dick: Erzeugerwünsche erfüllen, die Holde zurückgewinnen, eigenen Platz finden.

Und einen Kulturenkrieg verhindern, der Alltagsrassismus wuchert ungehemmt, selbst indischer Mund verrät, daß Pakistani „wie die Tiere leben.“ Neues Problem: Was sarkastisch zum Reflektieren anregen möchte, poltert (durch Abziehbilder statt Charaktere unterfüttert) plump genug daher, um die Grenze zum Ernst gefährlich verschwimmen zu lassen. Wogegen auch das erwartungsgemäß irgendwann alle Schwierigkeiten quasi zermalmende Heile-Welt-Getue nix auszurichten vermag.

Dazu informiert Hauptdarsteller Nikesh Patel: „Gerade bei einer Komödie ist es ja total wichtig, daß man immer gleich witzig ist.“ Voll süßer Unschuld gesprochen, dennoch geirrt. Was mag nämlich entscheidender sein als das Ausloten feiner Nuancen, wesentlicher Diversitäten, wo könnte man besser die gravierenden Unterschiede zwischen Humor, Witz und Gags herausarbeiten? Erneut etwas, das hier keinem Beteiligten gelang.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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