D 2018, 90 min
FSK 16
Verleih: REM

Genre: Experimentalfilm

Regie: Alexander Kluge, Khavn De La Cruz

Kinostart: 20.06.19

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Happy Lamento

Ringelpiez zwischen Artistik und Plattitüde

DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS ist der schöne Titel eines Films, mit dem Alexander Kluge 1968 bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen gewann. Ein halbes Jahrhundert später kehrte Kluge an den Lido zurück. Mit einem Film, der auch einen schönen Titel trägt. HAPPY LAMENTO nämlich, und jetzt ist dieser in einigen heimischen Kinos zu sehen. Womit ein kleines Lamento angestimmt werden muß, wie Happy oder nicht das auch immer klingen mag.

Also: HAPPY LAMENTO ist eine Collage in Spielfilmlänge, die typische Beiträge aus Kluges DCTP-TV-Archiv reiht und sie zu einem mehr oder weniger stringent thematisch geklammerten intellektuellen Ringelpiez verfügt. Der hat ganz sicher seine auch artistischen Momente, driftet aber ob seines Formates eines zu Großen und kaum Ganzen zunehmend in den Zustand einer filmischen Never-Ending-Plattitüde. Und ganz unabhängig davon, daß einzelne – wenn auch wahrlich nicht viele – Beiträge darin das Gegenteil einer Plattitüde darstellen mögen, kommt man nicht umhin, zunehmend genervt zu reagieren. Auf Plattitüden wie etwa jene, in der in dem von Kluge sehr geliebten Split-Screen ein Aufziehäffchen mit seinen Schellen scheppert, während dazu Bilder vorm G20-Gipfel zu sehen sind. Altlinker Humor altbacken.

Aber was will man machen? Der Zirkus ist in der Stadt, wie einer der Schriftzüge verkündet, die auch hier (DCTP-Fans werden es kennen) immer wieder die Bilder durchziehen und auf die Themenklammern verweisen, die HAPPY LAMENTO zusammentackern. Wobei sich dann die stärksten Parts in dieser Wort-Bilder-Geschichten-Kladde dem philippinischen Künstler Khavn De La Cruz verdanken. Einem schier wahnhaft produktiven Dichter, Musiker und Filmemacher, aus dessen krude brachialem Kinder-und-Jugendbanden-Low-Budget-Delirium ALIPATO: THE VERY BRIEF LIFE OF AN AMBER Kluge einen (blut-)roten Faden durch sein DCTP-Labyrinth legte.

Ein Labyrinth, in dem dann etwa noch Elvis den „Blue Moon“ über „Sokrates und die toten Schweine von Manila“ aufgehen läßt, Heiner Müller Gedichtzeilen rezitiert („Schön ist der Mond über Polen/einen Genickschuß lang“), oder das Verhalten von Elefanten in einer Panzerschlacht erörtert wird, während „das flüchtige Leben eines Funken“ ein Zwiegespräch mit dem Mond vor 3,8 Milliarden Jahren führt. Und irgendwo sitzen die Zuschauer. Wahrscheinlich ratlos.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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