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Hip Hop-eration

Operation geglückt

Eine neuseeländische Tanzgruppe von Rentnern im Alter von 66 bis 94 Jahren trainiert täglich und versucht, Sponsorengeld für Flugtickets zu sammeln, um an den jährlichen Weltmeisterschaften im Hip Hop-Tanzen in Las Vegas teilzunehmen. Das ist nicht etwa die Fortsetzung der Ensemble-Komödie LAST VEGAS mit den Altstars DeNiro, Douglas, Freeman und Kline, Glück gehabt! Es ist die wahre Geschichte echter Menschen von der Insel Waiheke Island. Intim und gekonnt auf Film gebannt von Bryn Evans.

Billie Jordan leitet die Tanzgruppe auf der kleinen, idyllischen Insel vor Neuseeland. Das nächste Projekt ist nicht etwa Lindy Hop, sondern Hip Hop. Und weil man auch im hohen Alter noch Ziele im Leben braucht, peilt Billie zusammen mit ihren Schützlingen die weltweiten Championships im Hip Hop-Tanz in der Welthauptstadt des Glücksspiels an: Las Vegas. Ihr Weg führt sie über die nationalen Qualifiers, eine Sponsorensuche, die sich schwieriger als gedacht entpuppt, sowie das Generationentreffen zwischen den Hip Hopis und Omis mit ihren gut 60 Jahre jüngeren „Kollegen“.

HIP HOP-ERATION wird mühelos von seinen Protagonisten getragen, die so charismatisch, witzig (!) und interessant sind, daß man sich ob der Tatsache wundert, daß sie nicht zusammengecasted wurden. Allesamt sind ein Sechser im Lotto für den Dokumentar-Filmer. Doch hat Bryn Evans glücklicherweise auch die handwerklichen Fähigkeiten, die Stärken seiner Figuren zu unterfüttern. Und so wird man in einem wunderbaren Flow aus Dramaturgie und Schnitt sowie astreinen Kadrierungen ganz nah an die Protagonisten herangebracht, um dann auf ihrem Weg gen Vegas mit Billie und ihrer Crew mitfiebern zu können.

HIP HOP-ERATION wird vor allem als Feel Good-Movie beworben, was definitiv stimmt. Denn was könnte lebensbejahender sein als eine Gruppe Rentner, die zu Hip Hop-Beats tanzt?! Eben! Doch der Film geht deutlich darüber hinaus und hat viele Geschichten zu erzählen. Nicht nur die des Wegs zu den Championships.

Es sind die Persönlichkeiten und ihre Stories und die Intimität und filmische Fertigkeit, mit der sie erzählt werden, die den Film so zu einem lohnenden, die Mundwinkel konstant Richtung Ohren ziehenden Erlebnis machen.

Originaltitel: HIP HOP-ERATION

Neuseeland/USA 2014, 93 min
FSK 0
Verleih: Rise and Shine Cinema

Genre: Dokumentation, Musik

Regie: Bryn Evans

Kinostart: 01.10.15

[ Philipp Winkler ] Philipp mag Filme, die sich in Randgebieten jeglicher Fasson abspielen. Filme, die mitten hinein treffen (und sei es in die Fresse). Filme, die frisch sind, selbst wenn sie siebzig Jahre alt sind. Philipp mag Literaturverfilmungen, denn er schreibt selbst. Doch grundsätzlich mag er auch Comicadaptionen, denn Philipp mag Comics. Er greift eher zu einem guten Dokumentar- als zu einem guten Spielfilm. Diese Leute mag Philipp besonders: James Marsh, Michael Haneke, Harmony Korine, Sabu, Errol Morris, Shohei Imamura, Jeff Nichols, Andrei Tarkowski, John Hillcoat, Hayao Miyazaki, György Palfi, Francis Ford Coppola und Hirokazu Koreeda.

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