D 2008, 128 min
Verleih: Constantin

Genre: Drama, Schicksal

Darsteller: Karoline Herfurth, Corinna Harfouch, Josef Bierbichler, Hanns Zischler

Regie: Caroline Link

Kinostart: 13.11.08

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Im Winter ein Jahr

Therapie und Katharsis

Seit sie vor fünf Jahren für NIRGENDWO IN AFRIKA den OSCAR erhielt, hat Caroline Link keinen Film mehr gedreht. Da stauten sich Erwartungshaltungen, da blühten Spekulationen. Doch vom Druck, der da unter Umständen auf der Regisseurin lastete, merkt man ihrem neuen Film nichts an. IM WINTER EIN JAHR ist die Adaption eines Romans von Scott Campbell. Dessen Handlung verlegte Caroline Link, nicht zuletzt ob der all zu zähen Verhandlungen mit US-Produzenten, ganz pragmatisch aus Amerika - wo Link ursprünglich drehen wollte - nach Deutschland. Die Distanz jedenfalls tat der Geschichte nicht nur gut.

Eine gutbürgerliche Familie, traumatisiert vom Selbstmord des Sohnes. Vater Thomas flüchtet in Arbeit und Affären. Mutter Eliane in Einsamkeit und Erinnerungen. Sie engagiert den Maler Max Hollander, der nach Fotografien ein Porträt des Verstorbenen anfertigen soll. Daß Eliane darauf beharrt, auch ihre Tochter, die 22jährige Lilli, auf dem Gemälde zu verewigen, stößt bei dieser auf heftigen Widerstand.

Die Innenansicht einer Familie in der Agonie. Und die Außenansicht eines Künstlers auf diese. Ein Gruppenbild mit Maler und Modell. Lilli und Hollander - gespielt werden die von Karoline Herfurth und Josef Bierbichler, der hier mal nicht in bayerischen Barock macht, sondern von eindrücklicher, weil stiller Präsenz ist. Beide geben ein schlicht wunderbares Paar. Der alternde Künstler, der das Leben kennt und die junge, schöne Querulantin, die wütend auf dieses ist. Und das Knistern zwischen beiden ist so dezent, daß es tatsächlich erotisch ist. In den guten Momenten wirkt IM WINTER EIN JAHR wie die sanfte Filmvariante einer Geschichte von Schnitzler oder Hofmannsthal. Die Stille, der ruhige Erzählfluß, die genaue Art der Betrachtung. Selbst das Licht, die Interieurs, das Lakonische der amerikanischen Novelle, durchzogen vom Flair der Wiener Moderne. Ja, das hat was. Ja, das ist gelungen.

Nur erzählt Link eben leider - und das Sujet hätte das allemal zugelassen - kein bürgerliches Seelendrama. Link hat das Dunkle der Geschichte schön weggeleuchtet und das Makabere, das da lauert, gänzlich ausgeklammert. Statt Seelenanalyse gibt’s, behutsam bis behäbig, Lebenshilfe. Statt Katharsis gibt’s - sehr hiesig, sehr bundesrepublikanisch - Therapie.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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