Originaltitel: IRON SKY

Finnland/D/Australien 2012, 97 min
FSK 12
Verleih: Polyband

Genre: Trash, Komödie, Science Fiction

Darsteller: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier

Regie: Timo Vuorensola

Kinostart: 05.04.12

7 Bewertungen

Iron Sky

Zu brav beim Bösesein

Trash-Kino und B-Film. Klingt das nicht auch verlockend? Hallt da nicht auch ein Versprechen? Fürs verschrobene und schräge Erzählen etwa. Damit der gelackten Kinokonfektionsware aus der Produktionsklasse A mal richtig den Finger zeigen. Mal vom Leder ziehen mit Stories, die Kobolz schießen, und mit Bildern und Effekten, die eben nicht perfekt, aber wüst und schrundig sind und voll jener Lust am Medium, die den ganzen Kalkulationsaffen und Pfennigfuchsern, für die Kino nur Geschäft ist und nie Leidenschaft war, völlig absurd erscheinen muß.

Ein Plot wie dieser etwa: Das Jahr 2018. Nazis, die seit 1945 auf der dunklen Mondseite versteckt leben, sich dort vermehren, Traditionen pflegen, Marschmusik hören und wie eh und je mit den Stimmen schnarren, planen die Rückkehr auf die irdische Scholle. Die Erdinvasion steht kurz bevor. Mittel: Ufos und Geheimwaffe. Zweck: Weltherrschaft. Was sonst? Blöd nur, daß 2018 gerade auch wieder US-Wahlkampf ist und die Präsidentin (!) zwecks Imagekampagne Posterboy James, Afroamerikaner und Medienstar, ergo Werbeträger, im Raumanzug übers Mondgestein hüpfen läßt. Klar gerät James in die Fänge der teutonischen Schurken. Und eine Geschichte nimmt ihren Lauf, die mit den Bällchen erzählerischer Anarchie jongliert. Mit zackigen Ariern oder irrem deutschen Wissenschaftler, der den Neger bleichen will. Und nicht zuletzt mit dieser blonden Renate, ein verdammt scharfes Biest, Typ sexy Faschistin, die fest daran glaubt, Hitler war ein netter Menschheitsbeglücker. Schließlich kennt sie dieses Minutenfilmchen, in dem er so sympathisch mit dem Welt-Luftballon spielt. Bevor der platzt, endet natürlich das „Dokument“, dieses auf dem Nazimond einzig verfügbare Filmfragment, das den lieben Führer zeigt.

Was eine böse und schöne Idee ist in Timo Vuorensolas IRON SKY. Allerdings ist es auch so ziemlich die einzige. Die Geschichte mag nach allem klingen, was man (siehe oben) von gutem Trash erhoffen darf. Das Ergebnis indes enttäuscht. Weil das Vomlederziehen und Kobolzschießen ein recht handzahmes geworden ist. Etwas Kompromißlerisches haftet dem Film an. Weil der Internet-Hype, der schon dessen Produktion begleitete, Hoffnungen auf einen Mainstream-Erfolg nährte?

IRON SKY jedenfalls wirkt wie ein braves Kind, das nur Ungezogen spielt. Doch in der kalkulierten Attitüde des Anarchischen definiert sich eben das Gegenteil von anarchisch. Das Kalkulierte nämlich.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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