D 2018, 83 min
FSK 12
Verleih: Missing Films

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Susana Abdulmajid, Malik Adan

Regie: Henrika Kull

Kinostart: 16.05.19

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Jibril

Liebe hinter Gittern

Wenn sie ins Gefängnis geht, zieht Maryam ihr schönstes Kleid an. Der meterhohe Zaun, durch den sie sehnsüchtig schaut, erscheint in dem Augenblick wie eine Verheißung auf etwas Gutes und Großes. Denn auch wenn hinter diesen Gitterstäben das freie Leben abrupt endet, ist es für die dreifache Mutter ein Ort der Sehnsucht.Maryam liebt einen Straftäter, einen, der schon seit drei Jahren einsitzt, als sie ihn kennenlernt. Die Regisseurin Henrika Kull erzählt in JIBRIL, wie eine Liebe beginnt, wenn eine gemeinsame Zukunft erst mal gar nicht möglich ist. Dabei konzentriert sich Kull zuerst auf den emotionalen Part. Wir beobachten die beiden, wie sie sich langsam annähern. Erste Blicke, zarte Berührungen – man spürt quasi die chemischen Reaktionen, die im Gehirn beim ersten Verliebtsein ablaufen.

Doch vieles, was den Beginn einer Liebe ausmacht, findet erst mal nur im Kopf der beiden statt. Denn Maryam und Jibril sehen sich immer nur kurz, während der Besuchszeiten im Gefängnis. Dann stehen die Wachen daneben, Küssen ist verboten. Es ist ein Kennenlernen auf Raten und ein kompliziertes dazu. Denn die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Maryam, eine junge energische Frau und hungrig nach Leben, viele Möglichkeiten hat, ist diese zarte Verbindung für Jibril der einzige Kontakt zur Außenwelt. Er klammert sich an sie, und als seine Chance auf Bewährung platzt, bricht für ihn eine Welt zusammen, von der wir nicht wissen, auf welchen Füßen sie eigentlich steht. Denn Regie-Studentin Kull verankert ihre Figuren ausschließlich im Hier und Jetzt. Wir erfahren nicht, warum Jibril im Gefängnis sitzt und wer die beiden Liebenden eigentlich sind. Vielmehr zieht sie den Zuschauer rein in das Verlangen, welches auf beiden Seiten immer größer wird.

Doch wie kann sich eine Liebe entwickeln, wenn man der Sehnsucht nicht nachgehen kann? Wie sieht eine gemeinsame Perspektive aus, wenn der andere im Grunde eine Projektion ist und die zu entschlüsseln quasi unmöglich? Die Kamera ist subjektiv und nah dran an den beiden. Auch wenn viele Fragen offenbleiben, so stehen die Kämpfe im Vordergrund, die beide für sich ausfechten müssen: Denn während Maryam sich gegen die eigene kulturelle Tradition wendet, muß Jibril sich zunehmend mit Anforderungen und Konflikten auseinandersetzen. Für ein mögliches Leben draußen, welches auch immer das sein mag.

[ Claudia Euen ]

Lesezeichen:

Jibril ab heute im Kino in Leipzig

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