Originaltitel: JOHN WICK

USA 2014, 101 min
FSK 16
Verleih: StudioCanal

Genre: Action, Thriller

Darsteller: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe

Regie: David Leitch, Chad Stahelski

Kinostart: 29.01.15

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John Wick

Herr und Hund und Russenmafia

Das letzte Geschenk, das ihm seine Frau machte, ist dieses goldige Hündchen. Wissend, daß ihr Mann es gut brauchen kann, als Kameraden, um den Schmerz und die Trauer zu überstehen. Also dieses Leben, das dieser John Wick jetzt führen muß, seit seine Frau, der einzige Mensch, den er je wirklich liebte, und der ihm für fünf Jahre Seelenfrieden im stillen Vorstadtglück schenkte, plötzlich schwer erkrankte und starb.

Und so schaut er diesem Hund in die Augen, und der Hund schaut ihm in die Augen, und beide zusammen schauen dem Zuschauer in die Augen. Und als solcher weiß man nicht wirklich, was man von dieser Suada feuchter Sentimentalität halten soll, mit der uns in JOHN WICK die Titelfigur in Persona Keanu Reeves’ vorgestellt wird.

So richtig gut läuft Reeves’ Karriere ja schon seit geraumer Zeit nicht mehr, und auch der kürzlich zu sehende 47 RONIN war in jeder Hinsicht ein Rohrkrepierer, nur ein weiteres verzichtbares Werk mit dem Hollywood-Beau und einstigen MATRIX-Star. Und so scheinen diese Herr-und-Hund-Blicke zu Beginn von JOHN WICK fast wie um Aufmerksamkeit flehend. Und ganz im Ernst: Wer könnte diesen Augen etwas abschlagen?

Also rein ins Kino! Und in der Tat, was die einstigen Stunt-Koordinatoren David Leitch und Chad Stahelski mit ihrem Regiedebüt JOHN WICK bieten, könnte vielleicht tatsächlich Reeves aus dem Tal der Bedeutungslosigkeit holen und ihn zumindest auf den garstigen Hügeln ruppiger B-Filme gut plazieren. Dieser Mr. Wick nämlich ist alles andere als ein harmloser Bürger. Und just die New Yorker Russenmafia wird das zu spüren bekommen: An einer Tankstelle erweckt John mit seinem schmuck-gepimpten Auto die Begehrlichkeiten des schnöseligen Paten-Söhnchens Iosef. Weshalb der dann mit Kumpanen zur Nacht in Johns Haus eindringt. Und möglich ist, daß John die Prügel, die ihm die Ganoven verabreichen, und vielleicht sogar den Verlust seines Wagens hingenommen hätte. Aber was der dumme Iosef dann mit dem Hund macht, das kann nicht ungesühnt bleiben.

Und so entpuppt sich der sanfte Hundefreund als reißender Wolf. Als einstiger Top-Killer aus der Unterwelt, den gerade Iosefs Papa noch verdammt gut in Erinnerung hat. Was alles andere als originell ist, aber für einen bleihaltigen Knochenbrecher-Film sorgt, der wirkt wie ein Welpe beim Toben und Zähnefletschen. Aber das immer mit dem Schwanz wedelnd. Also gut gelaunt spielend, ohne ernsthaft weh zu tun.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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