Originaltitel: JOJO RABBIT

USA 2019, 108 min
FSK 12
Verleih: Fox

Genre: Drama, Historie, Schräg

Darsteller: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson, Taika Waititi, Sam Rockwell

Regie: Taika Waititi

Kinostart: 23.01.20

1 Bewertung

Jojo Rabbit

Eine Hitlerjugend-Operette

Was ist schlimmer: wenn die eigenen Eltern Nazis sind, oder wenn das eigene Kind ein Nazi ist? Eine knifflige Frage, die JOJO RABBIT indessen gar nicht stellt. Die dritte Perspektive lautet so: Wie schlimm ist es für den kleinen Nazi-Sohn, wenn die Mama kein Nazi ist und darüber hinaus eine Jüdin versteckt?

Eine Kind-Mutter-Geschichte also, angesiedelt in einer verlassenen Kleinstadt, als das Dritte Reich in den letzten Atemzügen liegt und die ideologisch geschulte Jugend zu Kanonenfutter verarbeitet wird. Auch der 10jährige Jojo wird bereits für den Ernstfall trainiert, sprengt sich aber gleich mal fast selbst in die Luft, was dem Angsthasen eine Verschnaufpause verschafft. Allerdings kommt er so auch ­hinter die häuslichen Machenschaften seiner Mutter. Mamas glühender Patriotismus – alles Fassade? Hinter der Wand lebt Elsa, 15 Jahre alt, Jüdin, die er jedoch nicht verraten kann, ohne seine Mutter an den Strick zu bringen. Was tun? Jojo versucht sich an einem fortlaufenden Interview mit dem vermeintlichen Vampir, um wenigstens der Wissenschaft zu dienen.

Wie realistisch ist das? Gar nicht. Soll es auch nicht. In JOJO RABBIT geht es zu wie in einem umgekippten Comic, voller abgerockter Superhelden, die selbstredend nur aus Jojos Sicht überhaupt noch einen Schimmer von Heroismus haben können. Das gilt besonders für seinen unsichtbaren Freund: Hitler höchstpersönlich. Der kleine Hitler im Kopf eben, der natürlich lange nicht so bedrohlich wirkt. Gespielt wird der Ulk-Hitler konsequenterweise vom Regisseur und Komiker Taika Waititi selbst.

Im übrigen herrschen die Gesetze der Satire und des Slapsticks. Manche Gags, wie das ausufernde „Heil-Hitlern“ in großer Runde, wirken zwar immer noch komisch, aber natürlich nicht mehr so frisch wie noch bei Ernst Lubitsch in SEIN ODER NICHT SEIN (1942!). Übrigens: Obwohl die Helden des Films Deutsche darstellen, empfiehlt es sich, JOJO RABBIT im englischen Original zu schauen. Jojos fortlaufende Bemühungen, „Heil Hitler“ korrekt auszusprechen, fallen sonst unter den Tisch.

Der Schlüssel zum Film liegt natürlich in der verdrehten kindlichen Perspektive. Üblicherweise ist der Blick durch Kinderaugen ja ein Mittel, um die Erwachsenenwelt zu entlarven. Aber Jojo entlarvt mit seiner Nazi-Brille nur sich selbst. Mit dem echten Nationalsozialismus haben die verirrten Trottel aus seiner imaginären Welt wenig zu tun – und das ist am Ende doch ein echtes Manko.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

Lesezeichen:

Jojo Rabbit ab heute im Kino in Leipzig

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