Originaltitel: JEUNES MÈRES
Belgien/F 2025, 106 min
FSK 12
Verleih: Wild Bunch
Genre: Drama
Darsteller: Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaina Halloy Fokan, Lucie Laruelle, Samia Hilmi
Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Kinostart: 05.03.26
Daß die Herkunft wie Scheiße am Schuh klebt, hat die Autorin Marlen Hobrack in ihrem Buch „Klassenbeste“ festgestellt. Wer aus armen Verhältnissen kommt, bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit dort. Genau das beschäftigt auch die belgischen Dardenne-Brüder, seit Jahrzehnten eine feste Institution des sozialrealistischen und humanistischen Kinos, in ihrem neuesten Meisterwerk. Allerdings haben sie sich für JUNGE MÜTTER auch vorgenommen, nach einem Ausgang zu suchen aus der Determinationsfalle.
Ob die fünf Teenager, die hier zusammen mit ihren Babies in einem Haus für junge Mütter leben, tatsächlich den Weg raus finden, steht auf einem anderen Blatt. Auch ihre Mütter haben sie früh bekommen und waren mit der Situation überfordert. Im Heim finden sie zunächst Halt und Unterstützung, auch untereinander. Es ist wie eine Ersatzfamilie. Doch der weitere Weg entscheidet sich draußen, auf der Straße. Alle fünf müssen lernen, an sich und ihre Entscheidungen zu glauben – und wenn es bedeutet, das Kind an eine wohlhabende Pflegefamilie abzugeben, falls das eine bessere Zukunft verspricht.
Wie immer haben Jean-Pierre und Luc Dardenne in ihrer Heimatregion gedreht. Die Straßen von Liège, Lüttich, dieser grauen Industriestadt, kennt man aus ihren Filmen schon ziemlich gut. Die fünf parallel erzählten Geschichten werfen uns mitten rein ins Leben. Es ist ein direktes, schnörkelloses Kino, auf Augenhöhe mit den Protagonistinnen. Da ist zum Beispiel Jessica, die zunächst ihre eigene Mutter kennenlernen muß, bevor sie sich auf ihr Baby einlassen kann. Oder Julie, die ihre Mutter nur allzu gut kennt und sich gegen deren Übergriffigkeit zur Wehr setzt. Perla wiederum will unbedingt daran glauben, daß ihr Freund, der Vater des Kindes, bereit ist, eine Familie mit ihr zu gründen.
Es sind Geschichten über drei Generationen, bei denen die Männer meist durch Abwesenheit glänzen, erzählt mit einen kühlen Blick und doch mit allergrößter Empathie. Unweigerlich denkt man an DAS KIND, einen früheren Film der Brüder über ein junges Paar, das teils auf der Straße lebt und ein Kind bekommt. Der junge Vater verkauft das Kind und versucht dann den Rest des Films, es zurückzubekommen. Man ist regelrecht erleichtert, daß die Dardennes ihren jungen Müttern nun mehr Hilfe anbieten.
[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...