D 2018, 98 min
FSK 16
Verleih: UCM.One

Genre: Thriller

Darsteller: Florian Bartholomäi, Bernhard Conrad, Maike Johanna Reuter, Jan Gorkow, Petra Nadolny

Regie: Max Gleschinski

Kinostart: 05.03.20

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Kahlschlag

Psychose in Meckpomm

Die Liebe ist bekanntlich ein seltsames Spiel – und manchmal auch ein tödliches. Derart knapp ließe sich der Plot mal wieder umreißen, die Geschichte tönt simpel, aber gönnen wir uns dennoch zumindest ein paar Details, lernen Eric kennen. Glücklich mit Frenni, bevor sie sich Martin zuwandte, Erics bestem Kumpel. Ziemlich kraß, parallel starb erschwerend sein Bruder Sebastian.

Dysfunktionalität allerorten, partnerschaftlich, freundschaftlich und innerfamiliär, die Welt scheint in Auflösung begriffen, wenn der Trauerredner darüber spricht, daß geschätzte Menschen nicht weg-, sondern in uns hinein sterben, muß er Sebastians Verachtung nicht nur emotionaler Werte gemeint haben, die sich auf Eric übertrug. Oder war er vielleicht schon vorher angeknackst, erfolgte jetzt lediglich ein endgültiger Bruch? Egal, so oder so wird Martin beim Wiedersehen der Ex-Buddies erst leiden und dann ums nackte Überleben kämpfen …

Das kann man nun auf genau zwei Arten inszenieren (der Spagat gelingt ausschließlich Meistern ihres Fachs): entweder als dramatisch tiefe Spiegelung seelischer Abgründe. Angesichts aufdringlich reingepeitschten Philosophierens über Heine, unerotischer Sex- statt Zuneigungsszenen und wegen unablässiger Verbalisierung zunehmend verzichtbarer Gut-versus-Böse-Gedankentändeleien gähnen diese indes erschreckend flach. Es gerät zur echten Herausforderung, sich an platte Figuren zu binden, die identifikatorische Andockfläche bleibt rutschig und eingeschränkt, Schicksale letztlich gleichgültig. Zumal Erics in Kindertage zurückreichende Prägung, klischeegemäß ausführlich vor Martin ausgebreitet, auf psychologisch furchtbar banaler Welle reitet, de facto darin absäuft.

Oder, Möglichkeit 2: ein anspruchsloser, doch sessellehnenkrallende Spannung verbreitender Thriller. Klappt ebenfalls bloß sehr bedingt, das potentielle Knistern verhallt in leergelatschten Versatzstücken und Logikstraucheln bis hin zur Unmöglichkeit, hinzu kommen schlicht alberne Szenen, darunter wortwörtliches Angeln eines ehemaligen Freundes oder Selbstversorgung klaffender Wunden in bewährter Rambo-Manier. Ganz zu schweigen von – logisch – dümmlichen Ossis zwecks humoristischer Erholung (wovon eigentlich?).

Verdammt schade daher um beeindruckendes Gespür für komponierte Bilder, der Situation angepaßte Farben und eingefangene Stimmungen. Ja, schön sieht’s aus.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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