Originaltitel: LA NOUVELLE GUERRE DES BOUTONS
F 2011, 100 min
FSK 6
Verleih: DCM
Genre: Kinderfilm, Literaturverfilmung
Darsteller: Laetitia Casta, Guillaume Canet, Kad Merad, Gérard Jugnot, Jean Texier, Ilona Bachelier
Regie: Christophe Barratier
Kinostart: 12.04.12
Eine Mutter redet weit hörbar auf dem Flohmarkt auf ihren Jungen ein. Nie und unter keinen Umständen werde sie ihm diesen Spielzeugpanzer kaufen, denn Krieg ist etwas Schreckliches. Das unterstütze sie nicht! Ein paar Stände weiter trifft man beide strahlend; der Sohn ein „so viel schöneres“ Holzschwert schwingend. Der nettere Krieg wird von nun an gefochten, genauso wie in den malerischen Dörfern Longeverne und Velrans, in die Christophe Barratier seine Adaption des Kinderbuchklassikers von Louis Pergaud, 1912 erschienen, versetzt. Hier darf man noch Kind sein und mit Badezubern als Ritterrüstung am Leib herumtollen. Da beschwört Barratier ganz im Sinne von Pergaud „ ...ein Stück wildes, leidenschaftliches Leben“ herauf. Es weht einen die gute Landluft förmlich aus dem Kinosessel, hinein in die Felder und Wiesen, die die Jungsbanden durchstreifen. Und wehe, einer aus dem Nachbardorf betritt Feindesland, da kann er schon mal seine Knöpfe verlieren und muß schmachvoll mit rutschender Lederhose nach Hause kehren. Es geht nie um Gewalt, nur um die Ehre.
Barratier begeistert die Zuschauer mit seiner Gabe, Kindergeschichten nostalgisch aufzubereiten, das hat er bereits mit DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU bewiesen. Und für das Casting seiner Kinderrollen hat er wirklich ein wunderbares Gespür. Konflikte ufern bei Barratier nie aus, werden mit List behoben, und Bösewichte sind immer auch einfältig und häßlich. So bekommt die dörfliche Filmidylle auch nur ein wenig die Fratze des Krieges zu sehen, denn Barratier siedelt seinen Knopfkrieg im Jahr 1944 an. Die schöne Mademoiselle Simone – so richtig schön, weil gespielt von Laetitia Casta – versteckt das jüdische Mädchen Violette bei sich, welche von allen Jungen im Dorf bewundert wird. Bei Knopfbandenanführer Lebrac entfacht sie sogar die erste Liebe. Als dann der rüpelhafte Brochard – ein ehemaliger, natürlich schlechter Schüler – in Milizenkluft das Dorf nach Juden und Feinden des Vichy-Regimes durchkämmt, werden alle Holzschwerter beiseite gelegt, und beide Dörfer kämpfen gemeinsam an einer Front.
Das Gute muß siegen, so die Botschaft. Liebe findet ihren Weg, Lebrac, der Schlingel, lernt, seinen Vater zu respektieren, Verräter werden ihrer gerechten Strafe zugeführt, und das einzige brennende Haus ist die selbstgezimmerte Hütte im Wald. Nur Louis Pergaud starb 1915 im echten Krieg.
[ Susanne Schulz ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...
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