Originaltitel: LA BELLE SAISON

F 2015, 105 min
FSK 12
Verleih: Alamode

Genre: Drama, Liebe, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Cécile de France, Izïa Higelin, Noémie Lvovsky, Kévin Azaïs

Regie: Catherine Corsini

Kinostart: 05.05.16

2 Bewertungen

La belle saison

Sommer, Sonne, emotionale Grabenkämpfe

Das lesbische Kino schwimmt momentan auf dramatischer Welle: Lockeres wie GRANDMA erscheint – mit Independent-Starbesetzung – bloß auf DVD, dafür durchlitt kürzlich Cate CAROL Blanchett grandios eine verbotene Liebe, während Julianne Moore und Ellen Page aktuell in FREEHELD um Gleichberechtigung kämpfen. Auch LA BELLE SAISON hat inhaltliche Tiefenschürfung zu bieten, was folgende Inhaltsangabe beweist.

Frankreich, 70er Jahre. Landei Delphine, Bäuerin wider Willen und Meisterin im Vergraulen potentieller Verehelichungskandidaten, flüchtet vor dem Moralmuff gen Paris, wo sie die ältere Carole kennenlernt. Jene engagiert sich für Frauenrechte, tritt ergo Männern aus anderen Gründen druckvoll in den Allerwertesten, ausgenommen das zu Hause sitzende Exemplar – Letzteres verhindert indes trotz hohen Schnuckelfaktors nicht, daß innerfeminin bald mehr als einfache freundschaftliche Zuneigung lodert.

Dieses komplexe Porträt, voluminöses soziales Sittenbild auf der einen, intime zwischenmenschliche Studie auf der anderen Seite, malt Regisseurin Catherine Corsini so nachdrücklich wie nötig und gleichzeitig unaufgeregt wie möglich, einerseits spröde charmant, andererseits klar strukturiert – von weiblicher „Versklavung“ hin zu medizinischer Behandlung Homosexueller mittels inhumaner Methoden führt ein kurzer inszenatorischer Weg. Die Strecke, welche Delphine und Carole zurücklegen müßten, um gegen alle Widerstände gemeinsames Glück zu finden, zeigt sich um einiges länger, darum reist die mondäne Städterin der Angebeteten erst hinterher aufs Land, um dann zu bemerken, wie sehr ihr der Trubel fehlt. Und plötzlich geht’s außerdem um Hürden in sich selbst, genießen darf man dabei großartiges Schauspiel unter bezwingender Regie. Langfristig einprägsam beispielsweise die Wandlung einer Mutter vom völlig beengten Dasein hin zum Aufblühen inklusive wundervoller Tanzszene – und schließlich, devot der erdrückenden Gesellschaftsordnung hinterherschleichend, eben leider wieder zurück.

Die größte Intensität knistert dennoch auf der Leinwand, wenn sich unsere zwei Damen selbige ganz allein teilen. Dann weiß Corsini Liebesszenen trotz oder wegen fast verblüffender Offenheit und Detailfreude (behaarte Achseln) auf eine Art zu inszenieren, welche Carole-Mimin Cécile de France den Eindruck vermittelte, „Teil eines Kunstwerks zu sein.“ Recht gesprochen.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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