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Landraub

Monopoly in Echtzeit

Was hat mein Nutella-Brötchen mit der Rodung des Regenwaldes zu tun? Und warum gefährde ich die Lebensgrundlagen von Kleinbauern in Sierra Leone, wenn ich mein Auto mit „Bio-Sprit“ betanke? Dem sehenswerten Dokumentarfilm LANDRAUB gelingt es, diese und eine ganze Reihe anderer komplexer globaler Zusammenhänge verständlich zu machen. Sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Sie fußen auf der unrechtmäßigen Aneignung von Land.

Die Ressource Land ist endlich und wird angesichts des andauernden Wachstums der Weltbevölkerung immer wertvoller. Das haben längst auch Banken und Investoren begriffen, die spätestens seit der Finanzkrise nicht mehr gern auf die eigenen risikoreichen Produkte vertrauen, sondern lieber in „solide Werte“ investieren. Da in West-Europa die Claims längst abgesteckt sind, findet die Umverteilung im Osten, in Asien und Afrika statt. Wo früher Kleinbauern für lokale Märkte und den eigenen Bedarf produziert haben, entstehen nun – oft mit Hilfe korrupter staatlicher Stellen – riesige Monokulturen und Plantagen, auf denen mit schwerem Gerät, Pestiziden und Düngemitteln für den Export produziert wird. So landet am Ende eben das Palmöl aus Malaysia auf meinem Nutella-Brötchen, und die erhöhte Nachfrage nach Bio-Sprit in Europa trägt dazu bei, daß die Bauern in Sierra Leone kaum noch Flächen für die Versorgung ihrer Dorfgemeinschaften haben.

Kurt Langbein will zeigen, wie das eigene Handeln als Konsument, aber auch EU-Förderprogramme und Agrarsubventionen den Landraub befördern. Der Film porträtiert beide Seiten, Investoren und Kleinbauern. Die einen sprechen von Wirtschaftswachstum, Wohlstand für alle und neuen Arbeitsplätzen, die anderen von Vertreibung und dem Verlust ihrer Lebensgrundlage. Der deutsche Landwirt und Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein und der EU-Parlamentarier Martin Häusling setzen die verschiedenen Aussagen miteinander ins Verhältnis. Sie alle sprechen auf unterschiedlichste Weise von einer bedrohlichen Entwicklung, die den meisten (Stadt-)Menschen bisher verborgen geblieben sein dürfte.

LANDRAUB ist – das macht bereits der Titel deutlich – kein objektiver Film zum Thema, sondern das Plädoyer eines Journalisten, dessen Sympathie unzweifelhaft denen gilt, die den Preis für diese „Emerging Markets“ zahlen. Da die Verlierer im globalen Monopoly bisher so gut wie keine Stimme hatten, war ein Film wie dieser überfällig.

Österreich 2015, 95 min
FSK 0
Verleih: Movienet

Genre: Dokumentation

Regie: Kurt Langbein

Kinostart: 08.10.15

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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