D 2016, 122 min
FSK 0
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation

Regie: Volker Koepp

Kinostart: 03.03.16

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Landstück

Eine Renaissance des Ursprünglichen

Dürers Rasenstück ist eines der berühmtesten Stilleben in Deutschland. Doch zoomen wir heran und fragen uns: Kennen wir die Kräuter, die da zu finden sind? Löwenzahn und Schafgarbe, Wiesenschaumkraut und Butterblume vielleicht, dann hört es oft auf. Sicher liegt es daran, daß das Landleben weit weg von den Städten stattfindet, wo die meisten von uns leben. Aber auch daran, daß es den ursprünglichen Wuchs auf den Wiesen gar nicht mehr so oft in dieser Diversität gibt, weil er weggespritzt wurde mit Pestiziden und chemischen Düngern.

Volker Koepp, Liebhaber der Uckermark, schöpft seit jeher seine Inspiration als Filmemacher aus der dünnbesiedelten Weite dieser Landschaft, die seit Jahrhunderten für Landwirtschaft steht. LANDSTÜCK ist der aktuelle Teil eines Triptychons, nach DAS WEITE FELD von 1976 und UCKERMARK (2002), in denen sich Koepp mit den Verhältnissen von politischem System, Natur und Mensch beschäftigt. Mit diesem Film nimmt er sich die Zeit, durch die Felder und Dörfer zu streifen, Menschen zu treffen, zu verweilen, zu schwelgen. Auch wenn die implizierte Romantik, mit der Kamerafrau Lotta Kilian die Landschaften abtastet, der ökonomischen Realität entgegensteht. Hatte zwar die Natur nach der Wende und der damit verbundenen Abwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften eine Regenerationsphase geschenkt bekommen, so ist das Land als Wertanlage heute begehrter denn je. Der Bodenpreis hat sich vervierfacht, und Großinvestoren bauen Windparks, Tiermastbetriebe und betreiben Monokulturen. Dazwischen gibt es die Idealisten, die Ökobauern, die 10 Prozent der Fläche bestellen. Sie sind es auch, die Wildkräuter nicht als Unkraut betrachten, sich die Zeit genommen haben, aus Erfahrung und mit der Natur zu lernen. Die aber eben auch trotz Förderzuschüssen weniger verdienen als ihre „konventionellen“ Kollegen.

Aber genau dafür bedarf es Koepps Film. Weil er uns zuhören läßt, wie Professor Michael Succow, Träger des alternativen Nobelpreises, über die humanistische Notwendigkeit einer „intakten Kulturlandschaft“ redet, über Natur und Seele, über Luzerne, Schreiadler, Ackerwinde und den Roten Milan. Weil wir Familie gemeinsam unter einem Baum auf dem Hof sitzen sehen und alte Frauen über die Mühen der Landarbeit sprechen hören. Und die Kamera ganz langsam heranzoomt, wenn die schöne Künstlerin Larissa Lackner aus dem Fenster in die Weite schaut. Weil Idealismus zu gesellschaftlichem Realismus werden muß.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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