Originaltitel: LIVERPOOL

Argentinien 2008, 84 min
Verleih: Arsenal Institut

Genre: Drama

Darsteller: Nieves Carbrera, Giselle Irrazabal

Stab:
Regie: Lisandro Alonso
Drehbuch: Lisandro Alonso, Salvador Roselli

Kinostart: 06.05.10

1 Bewertung

Liverpool

Die Kraft der Reduktion

Der Argentinier Lisandro Alonso gilt als aufsteigender Stern des Weltkinos, obwohl seine Filme bisher nur Filmfestivalbesuchern bekannt sein dürften. Sein minimalistischer Stil ist geprägt von einer dokumentarischen Genauigkeit in der Beobachtung seiner Figuren und deren Welten, die seine Filme modern und sie mit Werken anderer gegenwärtiger Regiegrößen, wie etwa den Dardenne-Brüdern, vergleichbar macht. Gleichzeitig ist Alonsos Inszenierungsweise beinahe stummfilmartig klassisch. Die Kamera bleibt statisch, die Dialoge sind spärlich gesät. Alonso läßt die harten Landschaften und zähen Gesichter seiner Figuren für sich sprechen, seine Einstellungen stehen lange und unerschütterlich. Interessanterweise entsteht in dieser Reduktion aufs Wesentlichste, in der harten Konfrontation mit Realität etwas märchenhaft Entrücktes.

LIVERPOOL spielt nicht etwa in England, sondern in den zugeschneiten, kargen Weiten Feuerlands. Hierhin verschlägt es Alonsos Pro-tagonisten Farrel, denn hier ist er geboren. Farrel, den wir als Matrose eines Containerschiffs kennenlernen, kehrt heim. Um seine Mutter zu besuchen, erzählt er dem Kapitän, doch eigentlich scheint er auf der Suche nach etwas ganz anderem zu sein. Sein steter Begleiter ist eine Wodkaflasche, regelmäßig nimmt er einen kräftigen Schluck daraus, bevor er sich den Orten nähert, an denen er einst zu Hause war. Die Menschen aus seiner Vergangenheit begegnen ihm wie einem Geist aus einer anderen Zeit. Seine bettlägerige Mutter erkennt ihn nicht, und das Mädchen, das mit im Haus wohnt und sich als Farrels Tochter herausstellt, nimmt ihn nur dann wahr, wenn er mit den Ketten rasselt. Dennoch hinterläßt er ihr ein Geschenk, das ebenso rätselhaft bleibt, wie so vieles in dieser extrem langsam erzählten Heimkehrergeschichte, die in ihrem Fokus auf zeitlose Landschaft und dem Gebaren seiner wortkargen Hauptfigur nicht selten etwas von einem Western hat.

Dieser sich aufdrängende Vergleich hat auch etwas mit dem Gefühl zu tun, eine andere Zeit zu besuchen, nur um von Alonso immer wieder darauf gestoßen zu werden, daß er hier Gegenwart erzählt, von unserer Zeit. Dann wundert man sich abermalig, über die Menschen, über die Orte und über die Erzählweise dieses Werks. Und in diesem Wundern steckt irgendwie auch das Wunderbare dieses Films.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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