D 2017, 94 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Komödie

Darsteller: Peter Trabner, Annette Frier, Emma Bading, Kai Wiesinger, Elvis Clausen

Stab:
Regie: Nico Sommer
Drehbuch: Nico Sommer

Kinostart: 10.08.17

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Lucky Loser

Mit dem Zweiten wird’s nicht besser

Wenn eine Tankstelle nach gepimptem Pförtnerhäuschen aussieht, sich später ein geringfügiger Autounfall wegen beschränkter Finanzmittel oder Fähigkeiten des Kameramanns bloß auf der Tonspur entfaltet, dann hat sich das mulmige Gefühl bei Sichtung des Vorspanns bestätigt. Dort stand: „In Kooperation mit ZDF – Das kleine Fernsehspiel“ ...

Genau das ist LUCKY LOSER: was für 20.15 Uhr unter der Woche. Nicht nur aus visueller Sicht, sondern total. Bei der Geschichte fängt das an – Mike, gutherziger Bärchentyp, hängt seit Jahren seiner neu verpartnerten Ex Claudia hinterher, erzieht die 15jährige Tochter Hannah quasi im Alleingang und fliegt jetzt zudem aus der Wohnung. Eigenbedarf. Vom Vermieter gibt’s eine doll klug klingende Moralmahnung dazu: „Die Sonne ist nicht schuld daran, wenn der Blinde den Weg nicht findet.“ Ach so! Und egal, denn forsch schreitet der Plot voran, läßt Mike einen Wohnwagen auftreiben, den allein guter Wille und aufgesprühte Farbe zusammenhalten. Selbiger soll dem Urlaub mit Hannah dienen, man steht einander ja echt nah, pinkelt gar gemeinsam am Wegesrand. Jenes Familienidyll erleidet nun bereits 1000fach durchgekaute Störungen, als sich der Campingplatz füllt – Claudia trifft ein, ihr Neuer schaut vorbei, und die schwer mit noch bestehender Jungfernschaft hadernde Pubertierende schleppt ihren Freund an, einen selbstverständlich kiffenden Schwarzen.

Da spielt sich das aus ungeklärter Ursache tatsächlich motiviert agierende Ensemble die sprachlichen Medizinbälle zu, plumpsen schrecklich unlustige, weil gräßlich erklärerische, Dialoge aus den Mündern und hinterlassen beim Aufschlag verbale Krater. Was beim Weghören Gelegenheit für allerlei Fragen bietet: Soll die Tonzensur überm verpiepten „Schwanz“ ernst gemeint oder müdes Witzchen sein? Möchte das manchmal plötzlich hervorpreschende Radikalschnittgewitter cool wirken, oder haben wir es mit einem Potpourri der besten Szenen aus verschiedenen Takes zu tun? Wen müßte man für die markerschütternde Musikeinlage feuern, welche Mike zur Rückgewinnung Claudias dienen soll (wie auch ein Panzer)? Warum sinniert jemand philosophisch über Frauen, dessen Kaffeetasse eine nackte Dame nachbildet – ohne Kopf natürlich?

Im Grunde alles Jacke und nur weitere Kerzen auf der Sorgentorte. Die, wie geschrieben, nicht wirklich im Kino, sondern um viertel 9 auf dem Sofa serviert gehört. Der Sender steht schon mal fest ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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