Originaltitel: KIKA

Belgien 2025, 115 min
FSK 16
Verleih: Little Dream

Genre: Drama

Darsteller: Manon Clavel, Suzanne Elbaz

Regie: Alexe Poukine

Kinostart: 15.01.26

1 Bewertung

Madame Kika

Orange vor Rot

Und wieder ist es an der Zeit, sich das „neue“ Gesicht einer Schauspielerin zu merken. Es gehört Manon Clavel, die mit einem Parforceritt aus unwiderstehlicher Natürlichkeit und grenzwertiger Hingabe die Windmaschine anwirft und uns aus den Kinositzen zu blasen gedenkt. Ihre MADAME KIKA wird zum ersten Solitär des neuen Filmjahres – als Figur und künstlerischer Markstein.

Keine 25 Minuten sind vergangen, bis das Wechselbad von Regisseurin Alexe Poukine mit voller Wucht zum Ein- und Untertauchen geladen hat. Bis dorthin gab es den präzisen Blick ins Arbeits- und Familienleben einer jungen Frau, ein irre schönes Gefühl befreiter Romantik, eine waghalsige Trennung und den Tod. Kika – Mutter, Sozialarbeiterin und gerade noch „einfach sehr, sehr verliebt“ – droht, selbst zum Sozialfall zu werden. Wohnungslos, mittellos – hoffnungslos? Wenn sie sagt: „Ich schaffe das!“, will man es ihr gönnen. Ob man ihr en detail dorthin folgen mag, wo sie in einer Mischung aus Not und Perspektive landet, ist nicht unbedingt gesetzt.

Eine Klientin von Kika hatte ihr gestanden, daß sie die Miete nur stemmen kann, weil sie getragene Slips verkauft. Clavels Gesicht in diesem Moment ist grandios. Weitere werden folgen, Schlag auf Schlag, denn Kikas Weg zur Domina und Sexarbeiterin verblüfft vor allem eine Person in besonderem Maße: sie selbst. Das Drama verschiebt seinen Fokus hin zum eigenen Universum des Schmerzes und verdrängter Trauer, gipfelnd in einer kaum erträglichen Szene gegen Ende. Dort bekommen die Warncodes Orange und Rot, mit denen Kika umzugehen gelernt hat, für sie eine völlig neue Bedeutung. Es geht um eine Umarmung.

[ Andreas Körner ]