D 2017, 111 min
FSK 12
Verleih: DCM

Genre: Komödie

Darsteller: Detlev Buck, Charlie Hübner, Bjärne Mädel, Marc Hosemann, Jacob Matschenz

Regie: Arne Feldhusen

Kinostart: 31.08.17

5 Bewertungen

Magical Mystery

Auf ’nen Rave mit liebenswerten Idioten

Mensch, waren das Zeiten, von denen dieser irgendwie irre, mit staubtrockenem Witz gespickte Film erzählt: Fand man etwas gut, jubelte man „Wie tollo!“, ständig wurde man beim Vornamen gerufen – „Und bei dir, Raimund?“ „Alles gut, Werner“ – und die x-te Wiederholung von irgendwas wurde wie ein erstes Mal gefeiert. Man mußte halt nur die richtigen Drogen kennen, dann waren Sinnhaftigkeit und guter Geschmack völlig egal, dann ging auch Glanzschlaghose zu Buffalos, dann konnte der Techno nicht laut und billig genug scheppern.

Arne Feldhusen nimmt uns an die Hand und stellt uns mindestens skurrile Typen in MAGICAL MYSTERY vor. Frisch aus der Psycho-WG entflieht Karl Schmidt, der Zwangsenthaltsame trifft auf alte Weggefährten aus der Techno-Szene. Kurz geklopft ans Tor der Bumm Bumm Records, schon geht es auf Zeitreise, in der Labels die Charts noch per Fax abrufen.

Koksnasen, Kaffee-Junkies, Udon-Nudelschlürfer – es sind doofe bis idiotische, immer aber schwer sympathische Heinis, die das große Geld mit Partynummern à la „Hallu Hillu“ machen, von der tumben Masse in den großen Arenen bejubelt werden. Traurige Gesichter gibt es, wenn Lolek beerdigt wird, in einer Mülltonne. Lolek war eins von zwei Meerschweinchen ...

Feldhusen ist dem popkulturellen Wahnsinn auf der Spur, und man muß wahrlich mit Techno und Rave nix am Hut haben, um Gefallen zu finden an diesen großspurigen Auftritten, diesen Totalentgleisungen und in ihrer Sinnlosigkeit schon wieder fast philosophischen Ergüsse des von Detlev Buck bravourös gegebenen Plattenfirmenchefs Ferdi. Immer dann, wenn der Film in Gefahr gerät, ins Parodistische abzugleiten, wenn Lieder wie „Laß uns Drogen nehmen und rumfahren“ angestimmt werden, wirft Feldhusen den Rettungsanker und zeichnet seinen zu einem ganz normalen Leben kaum fähigen Quälgeistern Empfindsamkeiten ans Revers, die durchaus anrühren. Denn es sind schon auch tragische Figuren mit zerrissenen Biographien, es sind große traurige Kinder, unter denen ausgerechnet der frühere Absturz-Karl der einzige ist, der fast alles im Griff zu haben scheint.

Der Rhythmus von MAGICAL MYSTERY ist bei aller erzählerischen Langmut ähnlich sprunghaft wie seine Figuren, dieses Stück Anti-Kino gleicht einem Zoobesuch mit vor Staunen offenen Mündern. Doch Feldhusen setzt nicht auf Lächerlichkeit, er findet immer zu einer großen Wärme – und naturgemäß zu manch’ herrlich deppertem Witz.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Lesezeichen:

Magical Mystery ab heute im Kino in Leipzig

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